Perry Rhodan als Hörbuch

Ein Interview mit Jan Gerhard

Seit Jahren wächst die Popularität von Hörbüchern, die sowohl auf CD, per Streaming oder Download konsumiert werden. In 2016 sorgte ein Plus von 11,3% für insgesamt 85 Millionen Euro Umsatz (www.musikindustrie.de). Wie entsteht ein Hörbuch? Darüber sprach Elke Wisse mit Jan Gerhard, der seit über zehn Jahren in diesem Bereich arbeitet.

Sprecherraum/ Quelle: Jan Gerhard

Wie bist Du auf die Idee gekommen, Hörbücher zu produzieren?

Ich hatte mich  damals auf die Stellenausschreibung des Verlages Eins A Medien beworben, der einen Toningenieur für die Aufnahme, Produktion und das Mastering von Hörbüchern suchte. Der Verlag hat ein eigenes Tonstudio, das, älter als Verlag selbst, seit 1981 als Produktionsstandort für öffentlich-rechtliche Produktionen sowie dem freien Markt dient. Dieses wird heute von einem Literaturwissenschaftler geleitet, der lange u.a. auch für den öffentlich-rechtlichen Rundfunk gearbeitet hat.

 

Welche Hörbücher werden produziert?

Die Produktion der Perry Rhodan Science Fiction Serie ist einer der Schwerpunkte des Verlags, der sich seit nunmehr über 16 Jahren auf Hörbücher mit Schwerpunkt im Bereich Science Fiction konzentriert. Insgesamt wurden über 1000 Hörbücher von Perry Rhodan produziert mit einer Gesamtlaufzeit von ca. 5000 Stunden. Allein von der Perry Rhodan NEO Reihe wurden bisher über 170 Hörbücher aufgenommen, das sind jeweils Werke mit einer Laufzeit von ca. sechs Stunden. Es gibt aber auch Buchvorlagen mit über 400 Seiten, die laufen als Hörbuch über 20 Stunden. Insgesamt sind über 2900 Perry Rhodan Hefte seit der Erstveröffentlichung 1961 erschienen. Es mangelt also nicht an Material.

Aufnahme im Studio / Quelle: Jan Gerhard

 

Wie entsteht ein Hörbuch?

Die Aufnahme sowie das Editing/Mastering erfolgen bei uns mittlerweile in Arbeitsteilung – da sind wir der Produktionsweise der Kollegen vom Film schon recht nah.Im Studio bekommen wir das Skript für die Aufnahme als auf iPad gespeichertes PDF. Die Arbeit mit iPads hat sich bewährt, da wir so keine störenden Nebengeräusche durch das Umblättern von Papierseiten oder generelles Papierrascheln auf der Aufnahme haben. 

 Auf dem iPad ist außerdem die App GoodReader installiert, die das direkte Anbringen von Notizen in den Skripten erlaubt. Es können so Markierungen gesetzt und gespeichert werden. All dies kann natürlich dann einfach per E-Mail auch verschickt werden.  Bei der Aufnahme arbeiten wir mit einem Pro Tools-HD System. Auch wenn es von der Kanalanzahl eine eher schlichte Anforderung ist, sind die Aufnahmen hochwertig. Als Mikrofon setzen wir auf ein Neumann M149 Tube, das eine SPL Gainstation speist. Wir hatten zuvor die Vorverstärker der Studer 961 Konsole benutzt, aber nach einem Vergleich haben wir uns rasch für die SPL Gainstation entschieden. Auch der Peak/FET Limiter wird von uns bei der Aufnahme schon eingesetzt.

 

Wie sieht die technische Umsetzung aus?

Wir arbeiten in einem Team bestehend aus Regisseur und dem Toningenieur. Dieser ist für die Aufnahme im Studio verantwortlich. Ich bekomme die aufgezeichnete Session später per FTP und bearbeitete sie in Pro Tools HD in meinem Studio. Bearbeiten bedeutet, dass ich zunächst möglichst alle Störgeräusche eliminiere (linearphasiger HPF über FabFilter Pro Q2 zur Reduktion von Rumpelgeräuschen) und das generelle Grundrauschen senke. Das ist nötig, weil wir mit Multibandkompression gefolgt von einem Limiting arbeiten. Beim DeNoising arbeiten wir mit RX Advanced von iZotope. Das Grundrauschen, das zwar schon sehr niedrig ist, wird durch die Bearbeitung mit dem  Ozone wieder angehoben. Um dieses in den leisen Passagen wieder auszugleichen, hat sich das DeNoising bestens bewährt.   Das finale Mastering realisieren wir mit Ozone Advanced von iZotope, um das Material vom Klang her „radiotauglich“ zu machen. Wir komprimieren den unteren Bassbereich, damit die Stimme des Sprechers sonor klingt. Außerdem  nutzen wir die Expanderfunktion, damit die leisen Passagen noch leiser werden. Da leistet der Ozone sehr gute Dienste. Allerdings ist die Multibandkompression Segen und Fluch zugleich. Zum einen werden die leiser gesprochenen Passagen nach vorne geholt, so dass den Gesamteindruck für den Hörer besser verständlich macht, aber damit werden leise Störgeräusche bei der Aufnahme somit auch verstärkt. Gerade deshalb muss man bei der Aufnahme aufpassen, dass möglichst keine Störgeräusche aufgenommen werden. Ansonsten müssen diese in der Postproduktion mit mehr Aufwand entfernt werden.   Man begrenzt durch die Kompression natürlich auch die Dynamik. Das ist auch gewollt, damit das Endprodukt möglichst auch in akustisch nicht optimalen Umgebungen, zum Beispiel im Auto, funktioniert. Der Sound wird von den Hörern als positiv aufgenommen, da diese an den „Grundsound“ der Radiosprecher schon gewöhnt sind. In der Postproduktion fällt außerdem viel Handarbeit beim Schnitt an. Über die Jahre entwickelt man eine eigene Ästhetik, wie lang beispielsweise Pausen zwischen Sätzen sein dürfen. Man wird sensibel für das gesprochene Wort, weil der Sprachrhythmus durch zu lange oder zu kurze Pausen unterbrochen wird.  

 

Welche Störgeräusche treten am häufigsten auf?

Die häufigsten Störer sind die Magengeräusche der Sprecher. In einer normalen Konversation nehmen wir diese nicht wahr. Aber sobald die Signale durch den Multiband-Kompressor laufen, werden diese Geräusche deutlich hörbar. Dann muss man tricksen, um die Störgeräusche zu säubern. Einmal trug einer unserer Sprecher einen Ledergürtel, der nur bei bestimmten Bewegungen knarzte. Erst nach einigen Minuten Aufnahmezeit sind wir darauf gekommen, dass der Gürtel die Störgeräusche produziert. Auch eine Armbanduhr kann so laut werden, dass das Ticken in leisen Passagen durchaus hörbar wird. 

 

Wie oft wird unterbrochen?

Das entscheidet in der Regel der Regisseur. Er lässt wiederholen, wenn Betonungen nicht stimmen usw. Manchmal merkt man erst im Nachhinein, dass ein Satz falsch betont und damit falsch interpretiert wurde. Das passiert natürlich vermehrt, wenn man bereits mehrere Stunden gelesen hat. Sollte das bei der Aufnahme nicht auffallen und nicht korrigiert werden, müssen diese Passagen später nachgesprochen und eingefügt werden. Dabei ist es dann von Vorteil, wenn man immer in dem gleichen Studio arbeitet, dann ergeben sich keine klanglichen Unterschiede durch die Akustik. Der Regisseur achtet darauf, dass er den Sprecher, je nach Tagesform, nicht zu häufig unterbricht oder korrigiert, damit dieser nicht „aus dem Fluss“ kommt.  Die Sprecher, die mit uns arbeiten, sind Profis, die wissen, was von ihnen erwartet wird und liefern entsprechend ab. Ist die Stimme zum Beispiel durch eine Erkältung angeschlagen, muss man reagieren und mit technischen Mitteln ausgleichen, soweit dies möglich ist. Normalerweise können wir Sessions von bis zu acht Stunden durchziehen, wenn der Sprecher gut in Form ist. Dabei bestimmt er selber, wann er eine Pause braucht. 

 

Wo sitzt der Sprecher?

Er sitzt in einem Sprecherraum, der akustisch von der Regie getrennt ist. Der Tisch vor ihm ist mit einem dämmenden Material überzogen und somit akustisch optimiert, damit störende  Reflexionen ausgeschlossen werden können. Der Raum selber ist akustisch ausgestattet, um die Nachhallzeit zu reduzieren. Ein Akustiker hat den Raum eingemessen und optimiert.  

 

Was ist das Endprodukt?

Seit 2007 bietet Eins A neben CDs aus dem Presswerk auch Downloads an. Dieser Bereich hat in den letzten elf Jahren die CD sehr stark zurückgedrängt. Seit ca. 1,5 Jahren verstärkt sich zusätzlich noch der Verkauf über Streaming Plattformen wie Spotify oder Deezer. Trotzdem wird als Sonderservice auch noch die personalisierte CD oder DVD (mit Audio Material) angeboten, falls dies gewünscht ist. Wir nehmen in 24 Bit/48 kHz auf, am Ende wird die Aufnahme in ein FLAC umgewandelt, was von vielen Portalbetreibern gerne gesehen wird.

 

Was muss ein guter Sprecher für die Hörbuchproduktion mitbringen?

Wir arbeiten fast ausschließlich mit ausgebildeten Schauspiel-Sprechern zusammen. Diese haben durch die Bühnenarbeit gelernt, verschiedene Rollen auch über längere Zeitstrecken hinweg differenziert auszufüllen.  Es wäre nicht sehr zielführend, wenn jeder Charakter auf die gleiche Art und Weise gelesen würde, vor allem bei Dialogen ist das sehr wichtig. Die Anzahl der Färbungen variiert von Sprecher zu Sprecher. Manche können bis zu zwölf verschiedene Charaktere darstellen, andere weniger. Bereits bei den Vorüberlegungen ist es daher sinnvoll zu definieren, wie viele verschiedene Hauptrollen es in dem Buch gibt, die der Sprecher abdecken muss. Diese Entscheidung obliegt natürlich der Regie.  Darüber hinaus gibt es Sprecher, die bei spannenden Passagen im Buch mitgehen, das Tempo steigern usw. Dann macht auch die Aufnahme mehr Spaß und die Nachbearbeitung geht schneller „von der Hand“.  

Jan Gerhard hat im Jahr 2006 den Bachelor of Recording Arts (hons.) der Middlesex University abgelegt, seitdem ist er freiberuflich tätig. Er war als Live Recording Engineer für YES und Thomas Godoj tätig und hat außerdem Sprachbeschallung für VW, ThyssenKrupp und andere Industriekonzerne realisiert. Seit 2007 arbeitet er für die Firma Eins A Medien in der Sprachproduktion.

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