A-cappella-Gesang auf der Bühne

Ein Interview mit Thomas Schröder, FOH-Mischer der Band Maybebop

Die A-cappella-Band Maybebop (Quelle: Maybebop)

Seit einigen Jahren hat sich der A-cappella-Gesang zu einem populären Gesangsstil entwickelt. Dabei legen die Musiker oft Wert darauf, nicht wie ein A-cappella-Ensemble zu klingen, sondern wie eine Popband. Elke Wisse sprach mit Thomas Schröder über seine diesbezüglichen Erfahrungen bei der Beschallung der Band Maybebop.

 

Was ist bei einer A-cappella Beschallung zu beachten?

Zunächst muss man sich darüber im Klaren sein, wie die Band selber klingen möchte. Maybebop beispielsweise legt Wert darauf, nicht wie ein klassisches A-cappella-Ensemble, sondern wie eine Popband zu klingen. Das heißt, in den Bässen ist ein fetter und warmer Klang gewünscht. Hier braucht es eine Anlage, die rockt und auch Sub-Bässe übertragen kann. Das ist hierbei keine Frage der Lautstärke, sondern eher des Klangvolumens. 

Bei anderen A-cappella-Ensembles, die klassisch, z.B. im Stil der Comedian Harmonists klingen wollen, ist eine komplett andere Herangehensweise erforderlich. Auch die Technik, die beim Konzert eingesetzt wird, ist dann eine ganz andere. 

Thomas Schröder am FOH / Foto: Jasmin Koenemann

Wie gehst Du an die Sache heran?

Bei Pop-A-cappella braucht man zunächst eine PA-Anlage, die auch Frequenzen übertragen kann, die die menschliche Stimme nicht mehr zu produzieren vermag. Beim Einsatz eines Sub-Octavers muss die Anlage auch diese Frequenzanteile noch sauber übermitteln können. Mit dem Sub-Octaver kann ich der Bassstimme und der Beatbox mehr Druck verschaffen, sie klingen dann fett und rund. Dabei ist der Octaver als Stilmittel zu sehen, das ich nicht bei jedem Song einsetzen kann. Da die Sänger von Maybebop sehr vielfältig und die Stilrichtungen so verschieden sind, muss die Anlage grundsätzlich alles können: sie muss von Klassik bis Metal sowohl tonal als auch dynamisch überzeugende Ergebnisse liefern. 

 

Mit welchem Equipment arbeitest Du?

Wenn wir mit Maybebop unterwegs sind, haben wir immer eine technische  Grundausstattung dabei: alle Mikrofone, In-Ear-Systeme, Pult, Outboard- und VST-Effekte. 

Als Funkstrecken nutzen wir die neue digitale Sennheiser 6000er Serie mit 965er Kondensatorkapseln, wobei wir mit der extrem definierten und straffen Übertragung sehr glücklich sind. Für das In-Ear-Monitoring ist die Sennheiser 2000er Serie am Start. Jeder Sänger schwört dabei auf andere Ohrhörer: der eine nutzt Hear Safe, der andere Aurisonics usw. Dabei sind Passform und Klangbild entscheidend. Die verschiedenen Stimmen haben gerade an das Klangbild der Hörer unterschiedliche Anforderungen, um sich im Gesamtbild gut wahrzunehmen.

Immer dabei ist eine Midas Pro1, ein Pult mit Latenzausgleich über die gesamte interne Signalkette. Das Pult arbeitet auf 96 kHz. Die Kompressoren und Equalizer sowie die meisten Effekte klingen fantastisch. 

Beim Reverb greife ich am liebsten auf meinen Bricasti M7 zurück, der für meinen Geschmack derzeit die besten Hallräume produziert.

Im Pult ist ein Sub-Octaver integriert - das sogenannte Sub-Monster -, dessen Sound genau das verspricht, was der Name andeutet: warme und runde Bässe. 

Außerdem nutze ich den Octabass der Firma EBS, eine „Tretmine“ für Bassspieler. Dieser kommt zum Einsatz, wenn es etwas direkter und knackiger sein soll. 

Mein Computer-Setup mit Ableton live erlaubt die komplette MIDI-Verwaltung meines Pultes und der Effekte. So ist es möglich, Presets pro Song oder auch innerhalb eines Songs zu wechseln und schnell komplexe Sound- und Effektwechsel abzurufen.  

Trotz der Presets sind permanente Lautstärkeanpassungen auch weiterhin nötig, um eine ausgewogene Balance zu erhalten.

Ebenso bietet Ableton die Möglichkeit, Sounds zu loopen – das ist zum Beispiel in der aktuellen Show in dem Beat-Box-Solo der Fall. Lukas singt die Sounds live ein, die dann beim dem Song über den Looper wiedergegeben werden.

Weitere Einsatzzwecke für Ableton sind z.B. ein integrierter Sampler mit einem Pianosound zur Tonangabe sowie als Host zur Einbindung von VST-Effekten.

Zu guter Letzt setze ich das Programm Live Professor als VST-Host im Insert meiner Stereosumme ein, in der der dynamische EQ C6 von Waves und der Arousor von Empirical Labs eingebunden sind. Mit diesen beiden Tools ist es möglich, eine „giftige“ PA in den Griff zu bekommen und wenn nötig, das gesamte Programm zu verdichten.

Der Xilica XD 4080 Lautsprechercontroller dient als Systemcontroller, der mir die Möglichkeit bietet, mich direkt auf die Einzelkomponenten der örtlichen PA anzudocken. Mit seinen umfangreichen Features (Delay, diverse EQs, Phase, Crossover usw.) kann er bis zu acht unterschiedliche Feeds generieren. Gerade wenn man sonst keinen Zugriff auf die Einzelkomponenten hat, kann man hiermit so manche suboptimale PA tunen und auch noch während der Show auf alle Parameter zugreifen.

Lautsprecher haben wir nicht im Gepäck. Die werden uns normalerweise von den Veranstaltern gestellt, vorzugsweise von d&b audiotechnik oder auch von Kling & Freitag. Wenn das Haus unsere Anforderungen nicht bedienen kann, dann muss entsprechend vom Veranstalter ergänzt oder auch komplett nach unseren Wünschen ausgestattet werden. Gerne bieten wir den Veranstaltern auch hier komplette technische Lösungen an.

Thomas Schröder am Mischpult / Foto: Jasmin Koenemann

Wo liegen die Unterschiede einer A-cappella-Pop-Band zu einem A-cappella-Ensemble?

In den meisten Fällen wird man eine andere Art der Mikrofonierung wählen. Der Nahbesprechungseffekt wird bei A-cappella-Ensembles in der Regel nicht benötigt. Ich benutze gerne Kleinmembran-Mikrofone wie zum Beispiel das Sennheiser MKH 8040 oder 8050. Diese Ensembles wollen in der Regel auch kein Mikrofon in der Hand halten.  

Man braucht keine Anlage, die Rock´n´Roll oder Hip-Hop Qualitäten aufweist und somit auch keine Sub-Bässe. Grundsätzlich kommt es aber auch hier darauf an, wie das Ensemble klingen möchte. Vocal Line aus Dänemark ist ein tolles Beispiel dafür, wie man ein Ensemble mit Einzelmikrofonierung sehr fett klingen lassen kann, allerdings dann auch wieder mit den erhöhten Anforderungen an die PA.

 

Wie wird die Sprachverständlichkeit verbessert?

Wenn man mit einem Close-Miking arbeitet, muss man die einzelnen Stimmbereiche klar definieren bzw. im Gesamtklangbild „aufräumen“, das heißt, man muss bei den Oberstimmen den Bassbereich und die tiefen Mitten absenken. Auf diese Weise kann man wesentlichen Einfluss auf die Sprachverständlichkeit nehmen. Es ist im Prinzip genauso wie in einer Instrumental-Band. Ich muss jedem Instrument seinen Bereich zuweisen. Ein Counter-Tenor muss nicht bis 60 Hz runtergehen. Ich setze also den Low Cut relativ hoch und nehme Low-Mids heraus. Nur bei der Bassstimme – und auch nur, wenn sie singt, nicht bei der Moderation - lasse ich die Bässe drin. Zusätzlich komprimiere ich die einzelnen Stimmen nach Bedarf, setze einen EQ ein und benutze unterschiedliche Räume, um eine gute Tiefenstaffelung zu bekommen. Etwas vorsichtig sollte man live mit dem Einsatz des Pan-Reglers sein, da nur wenige Zuschauer im Sweetspot sitzen und sich die tonale Balance je nach Sitzplatz massiv verändern kann. Wenn es in ein paar Jahren bezahlbare Lösungen geben sollte, bei denen die Ortung nicht mehr über Pegelunterschiede, sondern über Delays generiert wird, werden sich ungeahnte Möglichkeiten eröffnen, auf die ich mich schon jetzt sehr freue.

Bei Maybebop sind die Stimmbereiche sehr klar verteilt und abgegrenzt. Das liegt natürlich auch an den fantastischen Arrangements von Oliver Gies und Jan Bürger. Wenn ein Arrangement eine saubere Stimmverteilung außer Acht lässt, kann auch die Technik nicht viel retten. 

Ein stimmiges Arrangement, saubere Intonation und ein sauberes Timing sind die Grundvoraussetzungen für einen homogenen Gesamtklang. Mindestens fünfundachtzig Prozent des Klanges werden vor dem Mikrofon gemacht, der Rest liegt in den Händen des Tontechnikers.

Thomas Schröder ist Autodidakt und seit 1989 im Audiobereich tätig. Er ist über die Musik zur Technik gekommen. Seit 15 Jahren betreut er die A-cappella-Band Maybebop bei ihren Live-Auftritten. Mit drei weiteren Kollegen ist er als Dienstleister im Beschallungs- und Beleuchtungsbereich mit der eigenen Firma Audio-Systeme tätig. 

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