Vernetzung im Consumer Bereich

Ein Interview mit Jürgen Timm, Vorstandsmitglied der High End Society e.V.

Grafik einer beispielhaften Vernetzung zu Hause (Quelle: Pioneer)

 

 

Jürgen Timm, PR- & Product Manager Pioneer & Onkyo Europe GmbH und stellvertretender Vorsitzender der High End Society e.V.

Wie sieht die aktuelle Situation bei den Konsumenten bezüglich Vernetzung aus? 
Die grundsätzliche Situation beim Konsumenten ist momentan dreigeteilt. 

Es gibt eine Gruppe von Endverbrauchern, die sich intensiv mit hochwertiger, qualitativer Musikwiedergabe auseinandersetzt, die aber entweder gar keine oder eine sehr unzufriedenstellende Netzwerkinfrastruktur zu Hause hat. Ich bezeichne diese Gruppe als die Traditionellen.

Diese Konsumenten haben Spaß an der Musik, sie pflegen eine auf CD und/oder Vinyl-basierte Anlage. Diese Gruppe hat sicherlich Interesse daran, den nächsten Schritt in Richtung Vernetzung zu tun. Meist fehlen die notwendigen  Informationen oder ein Ansprechpartner im Handel, der kompetent beraten und abschließend die gewünschte Installation durchführen kann. Diese Konsumentengruppe deckt ca. 20 bis 25% des Marktes ab.

Dann gibt es die Kunden – und das ist die größte Konsumentengruppe -, die zu Hause schon Netzwerke aufgebaut haben, die Streaming Dienste in vielfältiger Form nutzen, die die neue Technik  auf spielerische Art und Weise entdecken, die aber keine Netzwerkspezialisten sind.  Diese Gruppe würde ich bei ca. 70% einordnen, Tendenz steigend. 

Dann gibt es eine kleine Gruppe von ca. 5 bis 10%, das sind die Konsumenten, die zur engagierten Computer HiFi Szene gehören. Diese Gruppe hat bereits hochqualitative Netzwerkinfrastrukturen umgesetzt, sie hat sich schon sehr weit von den traditionellen Offline Medien entfernt und nutzt definitiv File based Audio als Hauptprogrammquelle in ihren Anlagen. Diese Gruppe weiß auch, dass man, ähnlich wie bei einer herkömmlichen Anlage, viele Möglichkeiten hat, die Klangqualität zu optimieren. Diese Gruppe der Enthusiasten setzt sich aktiv mit diesem Thema auseinander.

Dann gibt es die Kunden – und das ist die größte Konsumentengruppe -, die zu Hause schon Netzwerke aufgebaut haben, die Streaming Dienste in vielfältiger Form nutzen, die die neue Technik  auf spielerische Art und Weise entdecken, die aber keine Netzwerkspezialisten sind.  Diese Gruppe würde ich bei ca. 70% einordnen, Tendenz steigend. 

Dann gibt es eine kleine Gruppe von ca. 5 bis 10%, das sind die Konsumenten, die zur engagierten Computer HiFi Szene gehören. Diese Gruppe hat bereits hochqualitative Netzwerkinfrastrukturen umgesetzt, sie hat sich schon sehr weit von den traditionellen Offline Medien entfernt und nutzt definitiv File based Audio als Hauptprogrammquelle in ihren Anlagen. Diese Gruppe weiß auch, dass man, ähnlich wie bei einer herkömmlichen Anlage, viele Möglichkeiten hat, die Klangqualität zu optimieren. Diese Gruppe der Enthusiasten setzt sich aktiv mit diesem Thema auseinander.

Die Traditionellen
Für die Gruppe der Traditionellen ist es notwendig, zwischen dem HiFi Fachhandel auf der einen Seite und der digitalen Musikdistribution, sprich den Streaming Anbietern, zu vermitteln und die Fakten in den Markt zu kommunizieren. Wie und wo kann man hochqualitative Musik kaufen, wenn sie im Plattenladen auf physischen Trägern nicht mehr verfügbar ist? 

Geht es um die Installation zu Hause, sind vor allem auch Elektroinstallationsbetriebe gefragt, denn der HiFi Fachhandel verkauft den Streamer und kann ggf. auch die notwendigen Konfigurationen vornehmen, aber die Ethernet Leitung  kann er nicht verlegen und die WLAN Ausleuchtung richtet er auch nicht ein. Hier kommt das Elektrohandwerk ins Spiel, aber leider ist das Thema Multimedia bzw. Musikvernetzung dort noch nicht adäquat angekommen. Hier muss – und da sehe ich die Verbände in der Pflicht – definitiv etwas passieren. 

Der Mainstream User
Die Konsumenten, die zu Hause schon ein Netzwerk aufgebaut haben, nutzen in der Regel die klassischen IT Router wie zum Beispiel von AVM die Fritz Box, die Entertain Hubs von der Telekom oder Unity Media Kabelboxen. An den Standardeinstellung der Router werden üblicherweise keine Veränderungen vorgenommen, die Geräte sind für den Plug&&Play ausgerichtet. 

Nutzt man dieses Netzwerk für die Musikwiedergabe, stellt sich schnell die Frage: Wie solide ist das WLAN Netzwerk, um neben komprimierten Datenformaten auch CD, hochauflösende oder mehrkanalige PCM Streams zu verteilen? 

Betrachten wir die Infrastruktur in einem typischen Haushalt, dann steht im Normalfall der Rechner im Arbeitszimmer. Im Wohnzimmer steht  die vernetzte Hifi Anlage, die von einem Tablet oder Smartphone gesteuert wird. In diesem einfachen Fall verursachen bereits drei Klienten Trafic im Netz. Noch schwieriger wird es, wenn es sich um einen Familienhaushalt handelt, und gleichzeitig die Kinder bei YouTube usw. im Netz unterwegs sind. Da kann das WLAN Netz schnell an seine Grenzen stoßen. 

Wie kann in diesem Fall das Mehr an Klangqualität, das ein Dienst wie Tidal HiFi zur Verfügung stellt, über das Netzwerk nutzen? Kann die höhere Qualität tatsächlich über das Netzwerk transportiert werden?

Die meisten sagen, sie hören kaum einen bis gar keinen Unterschied, weil die Ausspielung – selbst wenn das Netzwerk leistungsfähig ist – häufig nicht über HiFi Streamer, sondern über minderwertige bis mangelhafte Klanglösungen erfolgt. Der hochwertige, spezialisierte HiFi Streamer im klassischen HiFi Komponenten Format spielt eher eine untergeordnete Rolle bei den Anwendern dieser Gruppe. 

Die Enthusiasten
Die Gruppe der Enthusiasten dagegen setzt definitiv einen dedizierten Audio-Streamer ein. Zudem ist eine entsprechende CAT-Verkabelung vorhanden und die Musik wird auf einer NAS gespeichert. Viele denken auch über eine Glasfaserverkabelung nach und experimentieren mit Applikationen, die über die klassischen Anwendungen wie iTunes und dergleichen hinaus gehen. Hier sind Anwendungen wie ROON, eine von Roon Labs entwickelte Player Mediathek sehr interessant.  Diese Software vereint die offline auf der NAS oder Festplatte gespeicherte und die über Streaming Dienste verfügbare Musik. Sie bietet dabei eine sehr schön grafisch aufgearbeitete Oberfläche und liefert sehr viele,  gut dargestellte Informationen über Künstler, Alben, Titel usw. Die Informationen gehen weit über das hinaus, was ein Booklet einer CD liefern kann. 

Screen: roonlabs.com

Häufig werden die Rechner mit Audioprogrammen bestückt, um hochwertige Abspielprogramme wie z.B. Audirvana+ zu nutzen, ggf. sind auch Audio PlugIns installiert, um beispielsweise die Raumakustik in den Griff zu bekommen. 

Wie sieht eine typische Lösung für diese Konsumenten aus?
Dieser Kunde hat sich entweder einen der neuen reinen Audio-Streamer gekauft oder hat mittlerweile auf Verstärker/Streamer Lösungen gewechselt. Traditionelle Audio Manufakturen wie Burmester,  AVM oder Auralic bieten mittlerweile sehr hochwertige Vorverstärker/Ethernet Streamer an. Auch Pioneer, Onkyo oder Teac usw. sind mit entsprechenden Geräte am Markt, die man als Bindeglied in die existierende HiFi Anlage installieren kann.  

Die meisten möchten ihren Rechner nicht per USB an einen USB-DAC anschließen, sondern sie möchten den bequemen Weg über eine NAS gehen. Auch hier wird nicht auf Standard NAS Produkte von Synology oder QNAP gesetzt, sondern hier sind audiophile NAS Lösungen beispielsweise von Melco, innuos und anderen weit verbreitet. 

Die herkömmlichen Computer NAS Lösungen haben SMPS Netzteile, die sehr viele hochfrequente Störungen produzieren. Ein lineares Netzteil findet sich bei den IT Lösungen eher selten. Da setzen die hochwertigen Lösungen an, die es aus dem HiFi Bereich gibt. 

Danach stellt sich die Frage, wie kann der Klang optimiert werden? Kabelklang bei Lautsprecher- und NF-Kabeln ist im HiFi-Bereich ein viel diskutiertes Thema. Aber auch USB- und Ethernet-Kabel können unterschiedliche Klangqualitäten aufweisen.

Die Enthusiasten bauen sich einen Opto-galvanischen Entkoppler beispielweise von Baaske oder GISO vor die HiFi Anlage, um Störeinflüsse aus den IT-Komponenten zu eliminieren.

Große Musiksammlungen erfordern aber auch eine zuverlässige Speicher- und Backup-Lösung. Auf einer NAS läuft in der Regel ein RAID System, das keine Ausfallssicherheit in Form eines Backups bietet. Daher wird eigentlich eine zweite Speicherlösung gebraucht. Viele nutzen eine zweite, reguläre NAS oder lokale USB Medien als Backup Lösung für ihre dedizierten Musikserver. 

Auch bei dem Switch eines Standard Routers muss man hinterfragen, ob er für die Audio Anwendung ausreichend ist. Viele sagen, man braucht mehr Ports, und versuchen, die im IT Bereich eingesetzten Managed Switches zu nutzen, weil sich die Paket Frames anpassen und weitere Optimierungen durchführen lassen. Ein normaler Consumer-Switch ist häufig z.B. mit der Übertragung von Quad-Rate DSD-Dateien (11,3 MHz) überfordert. 

Rückseite des Pioneer Network Audio Players N-70AE (Foto: Pioneer)

Es ist also ein hohes Knowhow im IT Bereich notwendig...
Das ist richtig. Und da gibt es kaum Informationsquellen in deutscher Sprache. Fachredaktionen in Deutschland reißen das Thema nur an. Es gibt punktuell Fachartikel im Netz und ausgesuchten HiFi-Fachzeitschriften, die aber von den musikaffinen Anwendern kaum gelesen werden. Ansonsten ist man auf das Internet oder spezielle US Foren angewiesen. 

Damit ist abzusehen, dass diese dritte Gruppe nicht über die 10% hinauswächst…
Das ist tatsächlich eine Größenordnung, die kaum steigerungsfähig ist, zumindest nicht in der jetzigen Situation. Es ist sicher Potenzial vorhanden. Das hat sich u.a. bei den Westdeutschen HiFi Tagen in Bonn gezeigt, bei denen wir als High End Society entsprechende Workshops zu dieser Thematik angeboten haben. Bis zu 75 Besucher haben an dem angebotenen Workshop teilgenommen und ihr starkes Interesse bekundet. Das zeigt, dass hier noch Potenzial vorhanden ist, um die Kunden zu informieren. Die Unsicherheit ist vielfach noch sehr ausgeprägt.

Wie sieht die Situation für die Mainstream Nutzergruppe aus?
Da dies der größte Markt ist, hat die Industrie natürlich einen besonderen Blick darauf. Es gibt mehr und mehr konsumerfreundliche Lösungen, sprich Plug&Play Lösungen. Die Wünsche der Konsumenten sind da ganz unterschiedlich. 

Es gibt den Konsumenten, der primär Musik über seine HiFi-Komponenten Anlage hört, und es gibt die Kompromissbereiten, die eine netzwerkfähige Micro-Anlage wünschen, weil sie kein großes Rack aufbauen wollen. Auch das gibt es mittlerweile in einer guten Qualität. 

Vor allem gibt die wachsende Gruppe der vor allem jüngeren Genration, die keine klassische HiFi Anlage mehr haben will, und bisher überwiegend Musik über Smartphones gehört hat. Diese Gruppe greift jetzt vermehrt zu aktiven Lautsprechern. KEF ist dabei gut unterwegs mit der LS 50 und X300 wireless Serie, aber auch dynaudio, Canton und andere haben Produkte auf dem Markt gebracht, bei denen man direkt vom Smartphone auf einen Aktivlautsprecher streamen kann. Das sind Lösungen, die ich für diese Konsumentengruppe auch für sinnvoll halte, denn das sind die Konsumenten, die sich nach und nach von den traditionellen Medien trennen. Sie werden nur noch streamen und das Smartphone und der Computer stehen dabei im Vordergrund.

Wo geht die Reise hin?
Wichtig ist, dass die Streaming Dienste anfangen, bessere Qualitäten anzubieten. Es ist abzusehen, dass der Download Bereich bei den digitalen Umsätzen weiter einbricht. Der Streaming-Markt wird irgendwann Erträge bringen müssen. Das wird man mit MP3 Qualitäten und den jetzigen Preissegmenten, die dort belegt werden, nicht erreichen. Man wird eine Mehrwertstrategie aufbauen müssen. Die liegt für mich darin, dass es einen zusätzlichen Layer über dem MP3 Format geben muss - mindestens in CD Qualität -, mit dem gegen einen Aufpreis  dem Kunden eine hörbar bessere Qualität geboten wird. Tidal, Qobuz und Deezer sind mit ihren HiFi-Angeboten auf dem richtigen Weg. Wenn wir es dann als mittelfristiges Ziel schaffen, noch weitere, bessere  Qualitäten bis zu 24 bit HiRes zu übertragen, und es auch ein kommerzielles Modell für die Betreiber gibt, dann wird sich die Musikrezeption weiter verändern. Daran werden wir als High End Society arbeiten um auch diese junge Kundengruppe von der Faszination hochwertiger Musikwiedergabe begeistern zu können.

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