High End 2017

Let The Music Play

Ein aussagekräftiges Motto stand über der diesjährigen Messe für hochwertige Tonwiedergabe, die vom 18. bis 21. Mai 2017 in München auf dem Messegelände MOC stattfand. Noch nie wurde so viel Musik gehört wie heute, und die Vermittlung des emotionalen Erlebnisses einer Musikwiedergabe auf bestmöglichem Niveau ist das zentrale Element der Messe. Das neue Leitmotiv soll diese Botschaft widerspiegeln. Die Bandbreite ist groß, Röhre oder Transistor, analog oder digital, Lautsprecher oder Kopfhörer, Downloads und Streaming oder Vinyl und CD - alles ist auf der Messe erlebbar.

Der Ballon der HIGH END auf dem MOC in München. (Quelle: High End Society)

Das erfolgreiche Fazit des Messe-Veranstalters: ein ausgebuchtes Messegelände auf 29.000 m² mit 538 Aussteller aus 44 Ländern, 8.002 Fachbesucher aus 78 Ländern, insgesamt 21.412 Besucher und eine enorme Medienpräsenz aus der ganzen Welt untermauern die inzwischen erreichte Bedeutung als internationale Leitmesse der hochwertigen Audiowiedergabe.

Besonderheit in diesem Jahr war die während der Pressekonferenz offiziell bekanntgegebene Kooperation zwischen den beiden Verbänden High End Society und dem Verband Deutscher Tonmeister. Mit diesem Kooperationsvertrag wachsen die beiden führenden Vertreter des guten Tons näher zusammen. Tonmeister prägen den guten Ton – High-End-Liebhaber genießen ihn.

An der offiziellen Pressekonferenz zur High End 2017 nahmen Prof. Carlos Albrecht und Dr. Günther Theile für den VDT-Vorstand teil. Carlos Albrecht erläuterte die Intention: „Unser gemeinsames Motto ist der gute Ton. Wir nähern uns dem gleichen Ziel von zwei unterschiedlichen Seiten. Was wäre die qualitätsorientierte Produktion ohne den qualitätsbewussten Kunden – und umgekehrt?“ Kurt W. Hecker, der Vorstandsvorsitzende der High End Society ergänzt: „Beide Seiten gehören elementar zusammen und werden sich durch den regen Austausch untereinander sicherlich gegenseitig in ihrer Arbeit befruchten.“

Bei der Suche nach dem optimalen Hörerlebnis, die Tonmeister und High End-Freunde gemeinsam verfolgen, geht es zum einen um den kompetenten Einsatz bewährter Technologie, aber auch um Orientierung im komplexer werdenden Feld der aktuellen Entwicklungen. Ein Beispiel hierfür ist die binaurale Tonwiedergabe als wichtiger Bestandteil für den 360 Grad-Sound bei Virtual Reality. Auch zu weiteren Messe-Themen wie Lautsprecherdesign, Optimierung der Raumakustik oder der Erstellung von hochwertigen Tonaufnahmen finden sich ausgemachte Fachleute im VDT, die sich darauf freuen, auch in diesem Umfeld als Experten für ihr Fachgebiet Rede und Antwort zustehen.

Ein eindrucksvolles Beispiel hierfür war die Keynote zur Pressekonferenz, die von Christian Hartmann, VDT-Mitglied und Projektleiter Audiosystemtechnik am Institut für Rundfunktechnik gehalten wurde. Das Thema war „Next Generation Audio“ und behandelte den Stand der Entwicklungen innovativer Audioformate, insbesondere die objektbasierte Audioproduktion und Distribution. Hierbei werden im Gegensatz zur herkömmlichen kanalbasierten Technik Audio-Objekte gemeinsam mit zugehörigen Metadaten mit Informationen zur zeitlichen und räumlichen Positionierung übertragen. Die abschließende Ton-Mischung erfolgt dann erst in den Endgeräten der Hörer unter Berücksichtigung der jeweiligen Abhörsituation. In ersten Anwendungen, z.B. mit Dolby ATMOS oder DTS:X, ist diese Technik schon im Markt und in den ausgestellten Geräten auf der Messe angekommen.

Kurt W. Hecker (l.) und Carlos Albrecht (Quelle: Renate Paxa)

Im Rahmenprogramm der Messe fanden sich einige Events, die auch für Tonmeister eine ausgezeichnete Informationsquelle darstellen. Musikvorführungen waren an vielen Stellen zu erleben. Hervorzuheben ist eine Präsentation „Musikgrenzenlos“ in einem hochwertig ausgestatteten Vorführraum, in der ganztägig renommierte Tonmeister wie Morton Lindberg oder Bert van der Wolf, aber auch Mastering Experten wie Christoph Stickel ihre Produktionen vorführten und die verwendeten Produktionstechniken erläuterten. Hier wurde auch einer der Trends der Messe in eindrucksvoller Weise demonstriert: Die Qualitäts-Wiedergabe der Audio-Inhalte von Computer-Speichersystemen. Zum Einsatz kam das innovative Produkt NADAC der Firma Merging Technologies, welches Audio-Files im 5.1-DSD-Format über ein Ravenna-Netzwerk übertrug und mittels Room-Music-Player abspielte und über ein neues Aktiv-Lautsprecher-System von ME Geithain wiedergab. Ein sehr eindrucksvolles Klang-Erlebnis, das inzwischen echte Studioqualität beim Hörer zuhause ermöglicht.

Technische Vorträge zu verschiedenen Themen gab es wie immer auf der Technologie-Bühne. Relativ neu auf der Messe ist der Bereich „High End on Wheels“, indem hochklassige Wiedergabe im Auto demonstriert wurde. Zu einem weiteren starken Trend im Konsumerbereich, nämlich der Kopfhörerwiedergabe, gab die „Hörbar“ im Direktvergleich marktübergreifende Orientierungshilfe bei der Auswahl der passenden Kopfhörer-Modelle. Erstmals traf sich dank freundlicher Unterstützung durch die Veranstalter am Freitagnachmittag die Regionalgruppe München zu einem Rundgang über die Messe. Peter Hirscher, Tobias Prager und Peter Maier begleiteten die Runde zu einigen ausgewählten Stationen und ließen sich von den Experten die jeweiligen Highlights erläutern. Jürgen Timm und Eelco Grimm gingen dabei näher auf Details zu den modernen Streaming-Verfahren ein und berichteten über das neue, derzeit kontrovers diskutierte MQA Verfahren sowie über Lautheits-Kriterien beim Streaming-Dienst Tidal. Den Abschluss bildete eine Musikpräsentation von Branko Glisovic der aus Sicht eines Musikliebhabers die emotionale Komponente von hochwertiger Musikwiedergabe herausstellte.

Eine gelungene Veranstaltung, die sicher auch der Arbeit von professionellen Tonschaffenden neue Impulse und Anregungen geben konnte. Die Erwartungshaltung der Fans hochwertiger Tonwiedergabe zu kennen und ins Gespräch zu kommen, ist sicherlich auch eine wichtige Komponente für die tonmeisterliche Arbeit.

Die High End 2018 findet vom 10. bis 13.Mai 2018 wieder im MOC in München statt.


Dieser Artikel erschien in der Printausgabe 3/2017. 
Hier können Sie die entsprechenden Seiten downloaden.