08.07.2019 | Ausgabe 3/2019

Berufliche Tätigkeit im Ausland erfordert A1-Bescheinigung – auch bei selbständiger Tätigkeit

Referat Arbeit, Recht & Soziales

Foto: Elke Wisse

Die EU-Verordnung 883/2004 legt fest, dass man für jeden grenzüberschreitenden beruflichen Einsatz eine A1-Bescheinigung braucht. Das gilt nicht nur für Angestellte, sondern auch für Selbstständige, die in den EU-Ländern sowie in Liechtenstein, Norwegen, Island und der Schweiz beruflich unterwegs sind. Dabei ist es egal, ob sie nur wenige Stunden oder mehrere Wochen dortbleiben: Im sozialversicherungsrechtlichen Sinn handelt es sich bei allen Personaleinsätzen im Ausland um eine Entsendung – und damit wird eine A1-Bescheinigung benötigt.

Auch wer beispielsweise als Aussteller oder Gast im europäischen Ausland eine Messe besucht, wer dort ein Meeting oder eine Fortbildung hat, wer als Fahrer eines Transporters, Ü-Wagens oder Firmen-Pkws auf ausländischen Straßen unterwegs ist, wer einen Kunden besucht oder in der Dienstzeit mit dem Geschäftswagen über die Grenze fährt, um dort zu tanken, braucht eine A1-Bescheinigung und muss diese mit sich führen.

WELCHE LÄNDER SIND BETROFFEN?
Für alle Mitgliedsstaaten der EU sowie Island, Lichtenstein, Schweiz und Norwegen wird eine A1-Bescheinigung benötigt.
Für folgende Länder müssen ebenfalls Bescheinigungen beantragt werden, diese haben allerdings andere Bezeichnungen (z.B. CAN1 für Kanada): Australien, Bosnien-Herzegowina, Brasilien, Chile,
China, Indien, Japan, Kanada, Korea, Kosovo, Marokko, Mazedonien, Montenegro, Quebec, Serbien, Tunesien, Türkei, Uruguay, USA.

WIE WIRD DIE A1-BESCHEINIGUNG BEANTRAGT?
Für Angestellte beantragt in der Regel der Arbeitgeber die A1-Bescheinigung mit seiner Arbeitgebernummer online über das elektronische Lohnprogramm. Das Verfahren ist automatisiert und das Formular geht sofort raus. Für Arbeitgeber sind die neuen Regelungen zur elektronischen Beantragung und zur Rückübermittlung der A1-Bescheinigungen seit
1. Januar 2019 verpflichtend.
Selbständige – privat oder freiwillig gesetzlich Versicherte – müssen die Bescheinigung schriftlich über das A1-Formular bei der Deutschen Rentenversicherung oder ihrer gesetzlichen Krankenkasse beantragen.

Wichtig: Auch bei kurzfristigen Entsendungen oder für kurzzeitige Tätigkeit im Ausland (wie z.B. bei kurzen Dienstreisen) muss die A1-Bescheinigung beantragt werden.
Für jedes Tätigkeitsland ist eine eigene A1-Bescheinigung zu beantragen.
Weitere Information und Antragsformulare sind unter diesem Link zu finden:
https://www.dvka.de/de/arbeitgeber_arbeitnehmer/antraege_finden/entsendung_ausland/entsendung_ins_ausland.html

WELCHE KONSEQUENZEN DROHEN BEI FEHLENDER A1-BESCHEINIGUNG?
Hier gibt es keine einheitliche Regelung. Zum Beispiel verhängt Österreich Bußgelder zwischen 1.000 Euro und 10.000 Euro, Frankreich hingegen verlangt 3.296 Euro je fehlender Bescheinigung. Darüber hinaus können Sozialversicherungsbeiträge nacherhoben werden oder die Aufnahme der Tätigkeit untersagt werden.
Vor allem in Österreich, Italien, Frankreich und der Schweiz werden vermehrt Kontrollen durchgeführt. Die passiert beispielsweise auf Messen, Kongressen und Events, zum Teil aber auch schon in Hotels.