08.07.2019 | Ausgabe 3/2019

Das Unison Festival: Düsseldorfer Studierende planen ein Mega-Event zur Campuseinweihung

The O’Reillys and the Paddyhats auf der Masterstage / Foto: Jan Roloff

Am 24. Mai 2019 fand das Unison Festival an der Hochschule Düsseldorf statt. Organisiert wurde dieses einmalige Event anlässlich der studentischen Campuseinweihung, die eine neue Ära einläutet: Zum ersten Mal in der Geschichte der Hochschule Düsseldorf sind alle sieben Fachbereiche an einem Campus vereint.

Die Idee eines Festivals für die Studierenden auf dem Gelände der Hochschule existiert schon länger, denn das Campus- Gelände der Hochschule mit seinem Innenhof und den großen Rasenflächen bietet ideale Bedingungen für eine Veranstaltung dieser Art.

Der Fachbereich Medien – gegründet im Jahr 2001 aus dem Fachbereich Elektrotechnik – beinhaltet Studiengänge, die sich u.a. mit Veranstaltungstechnik beschäftigen. Beispielsweise im Rahmen des Moduls „Technische Messestandsplanung“ im Bachelorstudiengang „Medientechnik“.

Im Rahmen dieses Moduls erfolgten bereits im Wintersemester 2016/17 die ersten Planungen für ein Campusfestival. Da sich der Campus zu diesem Zeitpunkt jedoch teilweise noch im Bau befand und noch nicht alle Fachbereiche vor Ort waren, wurde das Konzept umgeändert. Die Veranstaltung wurde unter dem Namen ITZO Festival im Rahmen zweier Bachelorarbeiten auf dem Gelände der Robert Schumann Hochschule im Juli 2017 erfolgreich durchgeführt.

All diese Vorbereitungen bildeten den Grundstein für die erneuten Planungen eines Festivals auf dem neuen Gelände, die zu Anfang des Wintersemesters 2018/19 begannen. Ein Team von über 70 Studierenden aus allen Fachbereichen und Semestern mit Unterstützung von Beschäftigten der Hochschule machte sich an die Planung und Umsetzung. Aufgeteilt in sechs Gewerke, die im Folgenden beschrieben werden, wurden so alle Aspekte des Festivals selbst von den Studierenden geplant.

DIE PRODUKTION
Da es sich um ein Musikfestival handelt und die Initiative für das Festival maßgeblich aus dem Fachbereich Medien kam, entwickelte sich der Bereich der Produktionstechnik schnell zu einem großen Schwerpunkt. Auf gleich zwei Bühnen wurden abwechselnd insgesamt neun Stunden Musik geboten. Als große Hauptbühne („Masterstage“) kam die Trailerbühne Smartstage 80 inklusive Sidehouses für die Technik und einer Gesamtfläche von ca. 20x8 m zum Einsatz.
Die kleinere Bachelorstage mit 6x5 m Bühnenfläche wurde als Traversenkaree direkt auf die Treppenstufen der passenden Rasenfläche gebaut.
Für die Stromversorgung der Veranstaltung und Produktion wurden insgesamt fünf 125 A und drei 32 A CEE-Anschlüsse genutzt. Diese wurden mit 38 Unterverteilungen und mehreren Kilometern Kabel zu den passenden Stellen auf dem Gelände verteilt. Zusätzlich wurden über fünf Tonnen Kabelbrücken verlegt und über 800 m Absperrungen für das Veranstaltungsgelände errichtet.
Die komplette Geländeplanung wurde als CAD in Vectorwor s umgesetzt. Dadurch konnten sehr einfach maßstabsgetreue Pläne und Flächenberechnungen beispielsweise für das Sicherheitskonzept erstellt werden.

The O’Reillys and the Paddyhats auf der Masterstage / Foto: Jan Roloff

BESCHALLUNGSTECHNIK
Grundlage der Beschallungstechnik war auf beiden Bühnen ein jeweils redundantes Dante-Netzwerk, das mit Technik von Yamaha realisiert wurde. An der Masterstage kamen zwei CL5 für FOH und Monitor zum Einsatz. An der Bachelorstage ein QL1 am FOH. Die Signalwandlung erfolgte über RIO Stageboxen. Zusätzlich wurde auf jeder Bühne eine Yamaha R-MIO eingebunden, um einen Digital-split auf MADI zu erzeugen, der für die Live-Mischung der Videoproduktion genutzt wurde. In Zusammenarbeit mit Yamaha wurde in der Festivalwoche ein Workshop für das Tonteam umgesetzt, um die Pulte kennen zu lernen und deren Konfiguration für das Festival-Setup vorzubereiten.

Als Beschallungssystem für die Masterstage kam Material von d&b audiotechnik zum Einsatz. Je zehn Elemente der V-Serie pro Seite bildeten das Line-Array, unterstützt von zehn SL-Subs und acht Elementen der T-Serie als Frontfill. Das Monitoring bestand aus acht M4 und einem Y-Sub. Betrieben wurden die Lautsprecher mit insgesamt 13 D80 und einer D20 Endstufe mit einer Gesamtleistung von ca. 35.000 W RMS. Die Bachelorstage wurde über die Eventmediagroup mit einem KIVA Line-Array mit jeweils vier Elementen und sechs SB18 Subwoofern von L-Acoustics aus- gestattet.

Auf beiden Bühnen konnte somit ein kardioides Basssystem aufgebaut werden. Dies half, die vorgegebenen Grenzwerte der Beschallungssysteme einzuhalten. Zur Überwachung der Immissionswerte für Anwohner- und Publikumsschutz kamen durch Unterstützung der Firma NTI insgesamt vier XL2 zum Einsatz. Unter Betreuung der Professoren konnten die Studierenden so direkt die notwendigen Messprotokolle für die Veranstaltung erstellen.

In Zusammenarbeit mit d&b konnte auch für die Beschallungsanlage ein Workshop umgesetzt werden, der am Tag vor dem Festival stattfand. Im Theorieteil wurden Grundlagen wie Arrayprocessing und die Handhabung der passenden Simulationsprogramme vermittelt. Am Nachmittag wurde das geplante System dann installiert und damit sowohl der Aufbau und das Rigging des Systems, als auch die praktische Umsetzung, Kontrollmessung und Anpassung der Simulation behandelt.

Aufbau der LED-Wand der Lang AG / Foto: Jan Roloff

LICHTTECHNIK
Die komplette Planung der Lichttechnik wurde in Vectorworks realisiert. Dies bot den Vorteil, über den 3ds Export direkt eine virtuelle Ansicht für GrandMA 3D zu erstellen, welche für die Vorprogrammierung genutzt werden konnte. Mit Hilfe des Moduls Braceworks von Vectorworks konnte eine Lastenplanung erstellt werden, welche nochmals händisch gegengerechnet wurde. Auch der Export passender Patchpläne, Kabellaufpläne und technischer Zeichnungen für den Aufbau war aufgrund der CAD-Planung problemlos möglich. Die Lichttechnik der Masterstage wurde komplett durch die Unterstützung von PRG Deutschland umgesetzt. Dabei kamen insgesamt über 100 Fixtures von Clay Paky, GLP, SGM u.v.m zum Einsatz. Für das Rigging wurden zusätzlich 62 m Traverse, acht 500 kg D8+ und acht 250 kg D8+ Motoren in die Bühne eingebracht. Die Lichtsteuerung erfolgte, entsprechend der Vorprogrammierung, über ein GrandMA2 System mit ca. 1500 Parametern. Die Ausgabe auf DMX erfolgte über vier NSPs von MA Lighting.

Auch die Bachelorstage wurde mit Technik unterstützt. Die Firma Steinigke Showtechnik lieferte insgesamt über 50 Geräte, die rund um die Bühne verbaut wurden und ein abwechslungsreiches Bild boten. Zusätzlich wurde von der Firma Lichtlogistik ein SlimPixx System zur Verfügung gestellt. Die Ansteuerung der LED-Streifen erfolgte über die Software MADRIX, die freundlicherweise ebenfalls als Leihgabe genutzt werden konnte.

VIDEOPRODUKTION
Um dem Anspruch einer aktuellen großen Festivalproduktion näher zu kommen und gleichzeitig das Festival angemessen zu dokumentieren, wurde eine Videoproduktion der beiden Bühnen geplant. Des Weiteren konnten so auch Personen, die nicht vor Ort sein konnten, den Live- stream über YouTube Live verfolgen. Ebenso war der Liveschnitt auf einer 5x3 m LED-Wand neben der Masterstage zu sehen. Die LED-Wand sowie weitere Kameratechnik wurden freundlicherweise von der Lang AG zur Verfügung gestellt. Neben einer Funkkamera (Sony HXC 100 Link HD) kamen auch Panasonic Remotekameras (AW-HE130 und 60), eine Canon 60x Box-Optik und Marshall-Minikameras zum Einsatz. Als Videoregie für die Masterstage diente die mobile Bildregie (MBR) des Instituts für Musik und Medien der Robert Schumann Hochschule Düsseldorf. Der komplett ausgestattete und HD-fähige Produktionswagen beinhaltet fünf Sony HSC300 Kamerazüge, die ebenfalls eingebunden wurden.

An der Bachelorstage kam eine Flight-case-Regie mit ATEM Television Studio HD zum Einsatz. Die Bilder lieferten Panasonic AJ-PX270 Camcorder mit Hinterkamerabedienung sowie eine Sony FS7 mit Videofunkstrecke.

Insgesamt wurden für die Videoproduk- tion 17 Kameras verwendet. Für die Erstellung des Sendeprogramms kam ein weiterer Produktionswagen zum Einsatz. Über einen Blackmagic ATEM 2 M/E wurden die Cleanfeeds der beiden Bühnen für den Livestream zusammengefügt und mit Grafikeinblendung versehen, welche über CasparCG zugespielt wurden. Über einen Teradek Cube wurde das Programm dann über den DFN-Zugang der Hochschule zu YouTube gestreamt und erreichte so über 3000 Aufrufe.

Videoregie der Masterstage in der MBR der RSH / Foto: Fritz Willner

SENDEMISCHUNG
Um für den Livestream auch eine passende Tonmischung zu erstellen, wurden die beiden Tonregien des neuen Campus genutzt. Diese erhielten die Audiosignale als MADI-Stream über das 41festinstallierte MediorNet im Gebäude. „Die Masterstage wurde in Regie 1 auf einem Yamaha QL5 Pult gemischt, wofür der 64-kanalige MADI-Stream mit einer weiteren R-MIO zurück auf Dante konvertiert wurde. Externe Effekte konnten so über die Dante Virtual Soundcard oder bei Bedarf analog eingebunden werden. Die Bachelorstage blieb unter 32 Kanälen und wurde mit dem vorhandenen Pro Tools HD System der Regie 2 „in the box“ gemischt. Als Hardware-Controller wurde das vorhandene AVID System 6 genutzt. Eine besondere Herausforderung stellte die Einbindung von Fremdpulten dar, da die Signalführung auf den Bühnen komplett digital stattfinden sollte. Die externen Pulte wurden teilweise in das Dante-Netzwerk eingebunden, oder konnten eigenständig einen MADI-Stream bereitstellen. Für die Künstler mit Fremdpult wurde entsprechend der MADI Eingang am MediorNet Frame der jeweiligen Bühne umgesteckt.

NETZWERK UND KOMMUNIKATION
Die grundlegende Netzwerk- und Kommunikationsinfrastruktur des Festivals baute komplett auf das Glasfaser Echtzeit-Netzwerk MediorNet der Firma Riedel Communications auf. Riedel unterstützte das Festival sowohl im Bereich des Mediornet als auch bei der weiteren Kommunikationstechnik wie beispielsweise mit Funkgeräten. Die vorhandene und teilweise fest installierte MediorNet-Infrastruktur wurde mit zwei Compact Pro Frames erweitert und ergab so ein Netzwerk mit insgesamt sieben an der Produktion beteiligten Frames. So konnte das komplette Routing von Audio, Video und Netzwerksignalen über MediorNet realisiert werden. Einzig das Dante Netzwerk lief autark über Cat-Kabel. Die Netzwerkinfrastruktur beinhaltete außerdem eine VLAN-Aufteilung für Config-Netz, Intranet, MA-Net, Art-Net und AES67. Mehrere Managed POE+ Switche und Access Points sorgten für die Vernetzung der Geräte und Bereitstellung von WLAN-SSIDs für die vorgesehenen Zwecke.

Kernstück der Kommunikationstechnik für das Festival bildete ein Riedel Artist 32 Mainframe. Über vier RiFaces wurden 50 Motorola DP3400 Handfunkgeräte mit acht Kanälen eingebunden. Für die Gewerkeleiter und weitere wichtige Positionen wie Veranstaltungsleitung kam das Bolero System mit insgesamt 13 Beltpacks zum Einsatz. Diese ermöglichten eine Vollduplex-Kommunikation und Erstellung passender Sprechgruppen wie beispielsweise für das Stagemanagement oder Durchsagen an alle. Dadurch wurde die Kommunikation zwischen den Gewerken am Festivaltag deutlich erleichtert.

Das Team des Festivals / Foto Fritz Willner

FAZIT
Nach Monaten der Planung und einer durch die Menge an Equipment und Größe des Geländes sehr anstrengenden Aufbauwoche war die Spannung groß, wie die Veranstaltung an sich laufen wird. Was wir an dem Tag erlebt haben, hat, im positiven Sinne, unsere kühnsten Erwartungen übertroffen. Bei (fast durchgehend) strahlendem Sonnenschein und freiem Eintritt kamen ca. 4000 Gäste zu uns auf das Gelände und haben eine mehr als würdige Campus- einweihung gefeiert, die wir so schnell nicht vergessen werden.

Für diese Möglichkeit und das damit verbundene Vertrauen in die Arbeit des Teams gilt vor allem der Hochschule Düsseldorf und dem AStA ein großer Dank! Ebenso danken wir allen Sponsoren und Partnern, die dazu beitragen haben, dieses einmalige Festival zu realisieren.