08.07.2019 | Ausgabe 3/2019

Geschichten erzählen auf die ganz eigene Art

Durch Authentizität überzeugen: Ein Interview mit Fabian Haupt und Kai Detlefsen

Fabian Haupt auf der Bühne / Foto: Andreas Broede

Der junge Songpoet Fabian Haupt und sein Artist Manager Kai Detlefsen haben sich im Studium kennengelernt. Seit drei Jahren arbeiten sie zusammen und verfolgen das Ziel, den Künstler und seine tiefgängigen Popsongs über verschiedene  Wege bekannt zu machen. Im Interview sprechen sie über ihre Motivation, ihre Ziele und Ideen.

WARUM HABT IHR DEN STUDIEN- GANG MUSIK UND MEDIEN GEWÄHLT?
Fabian Haupt: Das Studium an der Robert Schumann Hochschule Düsseldorf am Institut für Musik und Medien (IMM) ist sehr breit gefächert. Man kann zwischen den Studiengängen Ton und Bild und Musik und Medien auswählen. Der Studiengang Ton und Bild ist nach wie vor sehr technisch orientiert - es ist das ehemalige Toningenieur-Studium - wohingegen bei Musik und Medien der Fokus eher auf dem kreativ-künstlerischen Aspekt liegt.

Kai Detlefsen: Aus den acht angebo- tenen Modulen des Studiengangs - Klassische Musikaufnahme, Medien komposition, Musikinformatik, Musikproduktion, Musik und AV-Produktion, Musik- und Medienmanagement, Musik und Text sowie Visual Music - wählt man fünf Module aus und vertieft später drei davon. Man bekommt dadurch einen breiten Einblick in die bildgestalterischen Bereiche.

Fabian Haupt: Wir haben beide die Module klassische Musikaufnahme und Popmusikaufnahme belegt. Kai hat sich zusätzlich gezielt für das Modul Musik- und Medien Management entschieden, während ich Medienproduktion belegt habe, weil ich ursprünglich Filmmusik schreiben wollte. Während des Studiums habe ich aber gemerkt, dass mir das dafür erforderliche hauptsächliche Arbeiten am Computer nicht gefällt. Ich will mit Menschen arbeiten und kreativ sein. Deshalb habe ich mich darauf konzentriert meine eigenen Songs am Klavier zu singen. Für mich war es wichtig, auch die Grundlagen aus der Bildtechnik kennenzurlernen. Wenn ich für ein Lied ein Musikvideo drehe, kann ich mit dem Filmteam auf Augenhöhe sprechen, weil ich im Studium gelernt habe, worauf es ankommt.

Kai Detlefsen: Ich habe über das Modul Musik- und Medienmanagement Einblicke in die BWL-Grundlagen, in das Projektmanagement und in Themen wie das Urheber- und Vertragsrecht bekommen. Diese Themenbereiche sind sowohl für meine Arbeit im Management als auch als selbstständiger Tonschaffender extrem wichtig. Die gewonnenen Einblicke habe ich nun in dem zweiten Studium, einem mehrsprachigen Wirtschaftsstudium, um Kenntnisse in den Bereichen Marketing, Entrepreneurship und strategische Unternehmensentwicklung vertieft.

Seit drei Jahren bin ich für eine Band international als FOH-Mischer unterwegs. Durch das Studium kann ich mit Kollegen aus unterschiedlichen Gewerken auf fachlicher Ebene kommunizieren. Zudem ermöglicht mir das dreisprachige Wirtschaftsstudium einen sicheren Umgang mit Auftragsgebern aus verschiedenen Kulturen.
Das Wissen aus beiden Studiengängen ermöglicht mir außerdem in Unternehmen an Fragestellungen kreativ und zugleich wirtschaftlich heranzugehen. Ich versuche dabei beide Seiten – die Kreativität und das Business – zu vereinen und hierdurch einen Mehrwert für das Unternehmen zu schaffen.

Fabian Haupt: Ich habe als Bachelorarbeit ein Musikvideo, in dem neben der Standard-Band auch Streicher und Percussion beteiligt waren, gedreht. In dem Video konnte ich das gesamte theoretische und praktische Wissen aus meinem Studium einfließen lassen. Das habe ich dann genutzt, um meinen Karrierestart auf den Weg zu bringen.

WAS HAT DAS STUDIUM FÜR DEIN SONGWRITING GEBRACHT?
Fabian Haupt: Vor dem Studium habe ich bereits viele Songs geschrieben, damals noch auf Englisch. Ich habe mich dabei sehr an der Disney Filmmusik und an Musicals orientiert. Man kann daran sehr gut erkennen, wie Popmusik funktioniert, damit sie viele Menschen anspricht.

Im Studium habe ich dann vor allem vom Jazz-Keyboard Instrumentalunterricht profitiert. Die für mich neue Jazz-Harmonik und mein Dozent Martin Sasse, der mich stets animiert hat, eigene Dinge auszuprobieren, hatten dann starken Einfluss auf meine Songs, die musikalisch komplexer und interessanter geworden sind.

Der wichtigste Punkt war der Bandunterricht. Da habe ich alle Musiker kennengelernt, mit denen ich jetzt unterwegs bin.

Die Zusammenarbeit mit anderen Musikern, das gemeinsame Arrangieren eines Songs, das ist der größte Verdienst, den mir das Studium gegeben hat.

Fabian Haupt mit seiner Band auf der Bühne / Foto: Andreas Broede

HATTEST DU EINE VISION VOR DEM STUDIUM? HAT SIE SICH NACH DEM STUDIUM VERÄNDERT?
Fabian Haupt: Vor dem Studium war es mein Traum, irgendwann große Filmmusik zu schreiben. Ich hatte das Ziel, mit der Filmmusik Emotionen zu transportieren und die Geschichte des Films zu unterstützen.

Jetzt schreibe ich Popmusik, erzähle hiermit Geschichten und wecke damit Emotionen bei den Menschen. Ich möchte die Menschen in eine Welt eintauchen lassen, die auf alltäglichen Dingen beruht und positive Ausblicke zeigt. Meine Musik soll auch ein bisschen nachdenklich machen, aber auf jeden Fall Emotionen hervorrufen, die man kennt, die vielleicht vergessen waren oder ganz tief sitzen, ein Bewusstsein für das Leben schaffen, dass man Momente genießen darf. Das möchte ich mit meiner Musik erreichen.

FÜR DICH SIND DIE TEXTE WICHTIGER ALS DIE MUSIK?
Fabian Haupt: Die Texte haben auf jeden Fall die oberste Priorität. Ohne einen guten Text entsteht kein Ohrwurm. Eine Melodie kann zwar ein Ohrwurm sein, aber wenn Worte in der eigenen Sprache dazu kommen, dann verstehen zumindest Fabian Haupt: Dazu kommt, dass eine Stimme immer noch einzigartig ist. In der heutigen Zeit ist es sehr schwer, einen absoluten Signature-Sound zu kreieren, der so wie zum Beispiel das Gitarrenspiel von Santana sofort identifiziert wird. Die Stimme ist heutzutage das Einzige, woran man die Musiker unterscheiden kann. Den Gitarren-Sound aus zwei verschiedenen Songs könnte man nicht eindeutig einer Band oder einem Musiker zuordnen. Stimme und Text sind deshalb ganz eng miteinander verbunden.

WELCHE FAKTOREN SIND WICHTIG, UM FÜR DEN TEXT DIE RICH-TIGE MUSIK ZU FINDEN?
Fabian Haupt: Seit ich auf Deutsch schreibe, schreibe ich zuerst den Text. Ich habe immer einen Zettel und einen Stift dabei, egal wo ich bin. Wenn mir etwas Schönes passiert, ich einen schönen Augenblick genieße, dann schreibe ich meine Gedanken dazu auf. Ich sitze im Zug und schaue aus dem Fenster und frage mich, was passiert hinter jedem Fenster? Das war der Ausgangspunkt für meinen Song „Kieselweitwurfchampion“.
Das neugeschaffene Wort des Songs ist sofort ein Catcher. Und dann ist es eine große Aufgabe, die Musik dazu zu schreiben. Durch meine Affinität zur Filmmusik fällt mir das meist leicht, denn den Film habe ich quasi im Kopf, ich brauche „nur noch“ eine gute Melodie. Ich gebe mir meist vor, mit vier Akkorden auszukommen, damit muss der Song komplett funktionieren, dann ist er interessant, aber auch massentauglich. Mit nur vier Akkorden einen Song interessant zu halten, ist schwer, da kommt dann die Rhythmik ins Spiel, das Arrangement usw. So gehe ich vor, wenn ich einen Song schreibe.

Die Duo- Formation: Fabian Haupt und David Ropertz / Foto: Dimitri Reimer

ALSO SEHR VIEL INTUITION…
Fabian Haupt: Jeder Song sollte seine Besonderheit haben. Und diese sollte man versuchen zu stärken und auf den Punkt zu bringen. Der Song muss dem Künstler selber gefallen, ansonsten ist es kein guter Song. Wenn man nur den Konsumenten gerecht werden will, dann hat man sehr schnell keine Lust mehr darauf, den Song zu singen. Ich spiele 100 Konzerte im Jahr und singe auch Songs, die ich vor drei Jahren komponiert habe, immer noch gerne, weil ich eben meine Geschichte wiedergebe und wieder erlebe.

Kai Detlefsen: Es wird oft von der Macht der Hookline gesprochen. Eine These besagt, dass durch die Digitalisierung die Musikhörer nur noch auf die ersten zehn Sekunden eines Songs hören. Wenn die nicht gefallen, schalten sie weiter. Eine weitere These besagt, dass die Künstler um diese Gegebenheit wissen und deshalb für das Medium komponieren. Das heißt, sie komponieren zunehmend auf die Massentauglichkeit, um gehört zu werden.

Da finde ich es erfrischend, wenn Fabian sagt: Nein das mache ich nicht. Es ist mein Kunstwerk und dahinter stehe ich als Künstler. Bei uns ist es fast wie in alten Zeiten. Wir suchen das Besondere in den Songs und schauen dann, ob wir den Markt dafür finden.

INWIEWEIT HAT STREAMING DAS KOMPONIEREN ALLGEMEIN BEEINFLUSST?
Kai Detlefsen: Den größten Einfluss hat das Streaming darauf, wie Künstler den Markt wahrnehmen. Die Künstler müssen ihre Musik nicht mehr an ein Label schicken, sondern sie können ihre Musik in Eigenregie distribuieren. Junge Künstler sehen das Streaming als gegeben an. Sie hinterfragen nicht mehr, sondern es ist für sie eine legitime Art und Weise, wie sie ihre Musik verbreiten können und damit Reichweite generieren.
Die Playlist ist heute quasi das Album geworden. Viele Künstler veröffentlichen keine LP mehr, sondern produzieren einen einzigen Song, in den sie jedoch oft mehr Energie stecken als früher in ein ganzes Album. Man produziert nur das, was auch tatsächlich online gestellt wird.

Fabian Haupt: Ich habe vor drei Jahren noch Songs geschrieben, die sich am Ende noch mal groß öffnen, da wird die Message wiederholt und noch um ein weiteres Solo und einen Chorus ergänzt. Das kann man nicht mehr machen. Wenn die Songs länger als drei Minuten sind, dann wird abgeschaltet.
Es ist also folglich besser, einen kürzeren Song zu komponieren, und die Message noch kompakter zu fassen, damit der Konsument nicht weiterklickt, sondern im Gegenteil, den Wunsch hat, den Song erneut zu hören.
Das ist auf kompositorischer Seite ein Faktor, den man beachten sollte. Meine 27Songstruktur ist meist kompakt, denn wenn die Songs inhaltlich schon zwei oder drei Ebenen aufweisen, auf denen man sie verstehen kann, dann muss der Song kurz sein, um den Zuhörer nicht zu überfordern.

Live auf der Bühne / Foto: Treibgut Münster

LÄUFT DAS AUF EIN BEDIENEN DER GENRES HINAUS, DIE MAN BEI SPOTIFY AUFRUFEN KANN?
Fabian Haupt: Nein, nicht zwangsläufig. Wenn man einen Song bei Spotify hochlädt, dann wird dieser anschließend gehört und einem möglichst passenden Genre zugeordnet. Da hat man selber keinen Einfluss drauf.

Kai Detlefsen: Es besteht natürlich auch die Chance, dass man in mehrere Playlists kommt. Es gibt so viele verschiedene Listen, dass man eigentlich immer in mindestens eine Playlist aufgenommen wird. Ich vergleiche die Playlists mit den Regalen in Vinylshops, bei denen die Musikhörer gezielt nach einem bestimmten Genre suchen können. Grundsätzlich finde ich es wichtig, dass man als Künstler weiß, wie Streamingdienste funktionieren. Viele denken, dass Streamingdienste Unternehmen sind, die viel Geld von den Majors bekommen, um nur die großen Acts zu pushen. Dass in Wirklichkeit jede Musik eingeschickt werden kann und diese auch angehört wird, wissen die Wenigsten. Nach dem ersten Kategorisieren des Tracks in eine Playlist, findet laut Spotify keine Beeinflussung mehr statt. Ist der Song gelistet, entscheiden die Klickzahlen der User über den Erfolg. Das ist ein relativ basisdemokratischer Prozess.

Fabian Haupt: Viele Songs passen in mehrere Kategorien und sind dort auch zu finden. Man wird sicher nicht bewusst für eine Playlist schreiben, aber man kann auch nicht „gegen“ eine Liste schreiben.

WIE WICHTIG IST DIE VERMARKTUNG?
Fabian Haupt: Alles baut auf dem Songwriting in der individuellen Persönlichkeit auf. Man muss als Künstler authentisch sein. Um meine Lieder erlebbar zu machen, erzählen sie nicht nur meine eigene Geschichte, sondern sie sind so geschrieben, dass andere ihre Geschichte darin wiederfinden. Da fängt für mich die Vermarktung an.

ABER DIE WELT SOLL ERFAHREN, DASS ES DICH GIBT…
Kai Detlefsen: Das ist dann der nächste Schritt. Die Authentizität eines Musikers ist ein wertvolles Gut. Im Gegensatz zu Popstars, die über eine Casting Show groß geworden sind und für eine kurze Zeit intensiv vermarktet werden, setzen wir auf Langfristigkeit und Nachhaltigkeit. Letztendlich ist der Künstler dafür verantwortlich, wie er wahrgenommen wird. Das ist bei einem aktiv spielenden Musiker eine andere Herangehensweise, als bei einem Shootingstar, für den eine Werbekampagne aufgezogen wird.
Wir überlegen sehr genau, was wir mit dem Budget machen können, wie wir die Zuhörer mit einer neuen Single erreichen und hiermit beiden Seiten einen Mehrwert bieten können. Hierfür arbeiten wir zum Beispiel mit den Möglichkeiten der Social-Media Kanäle. Dort gibt es unter anderem Aufrufe, die den Follower dazu bewegen soll, etwas Kreatives zu posten, was zu dem Song passt. Die Einsender der besten Ideen werden dann zur Pre-Release Show eingeladen. Wir suchen den direkten Kontakt zur bestehenden Fan Base, die aktiviert werden will. Wir erzählen „Behind the scenes“-Storys und über die „Making Offs“. Das erzeugt Nähe und kann ein Schritt auf dem Weg zum Erfolg sein.

Werbekampagne aufgezogen wird.
Wir überlegen sehr genau, was wir mit dem Budget machen können, wie wir die Zuhörer mit einer neuen Single erreichen und hiermit beiden Seiten einen Mehrwert bieten können. Hierfür arbeiten wir zum Beispiel mit den Möglichkeiten der Social-Media Kanäle. Dort gibt es unter anderem Aufrufe, die den Follower dazu bewegen soll, etwas Kreatives zu posten, was zu dem Song passt. Die Einsender der besten Ideen werden dann zur Pre-Release Show eingeladen. Wir suchen den direkten Kontakt zur bestehenden Fan Base, die aktiviert werden will. Wir erzählen „Behind the scenes“-Storys und über die „Making Offs“. Das erzeugt Nähe und kann ein Schritt auf dem Weg zum Erfolg sein.

Fabian Haupt: Mithilfe der Social-Media Kanäle kann ich mit meinen Fans direkt in Kontakt treten und sie an meinem Weg teilhaben lassen. In den vergangenen Jahren habe ich immer wieder kleine Solo- und Duo-Konzerte bei Fans zuhause gespielt – diese Atmosphäre ist durch die unmittelbare Interaktion und Nähe etwas ganz Besonderes. Die Social-Media Plattformen ermöglichen mir diese authentische Nähe trotz einer örtlichen Distanz aufrechtzuhalten.