08.07.2019 | Ausgabe 3/2019

Liebe Leserinnen und Leser,

haben Sie sich schon mal bewusst mit KI – Künstlicher Intelligenz (oder Englisch AI – Artificial Intelligence) – beschäftigt ? Man hört und liest sehr viel darüber, aber das ist doch alles noch weite Zukunft… Natürlich ist dem nicht so, denn KI – oder vielleicht sprechen wir banal von Digitalisierung - ist schon längst in unserem Alltag angekommen, meist ist es uns nur nicht bewusst. Bestes Beispiel sind die Sprachassistenten Siri von Apple oder Alexa von Amazon.

Robotertechnik, menschliche Mobilität, digitale Bilderkennung, autonomes Fahren, Verkehrssteuerung, medizinische Diagnosen, Musikempfehlungen bei Spotify… die Liste der „digitalen Themen“ kann endlos fortgesetzt werden. Einen guten Überblick über die Sach- themen, bei denen KI zur Anwendung kommt, kann man auf der Seite www.wissenschaftsjahr.de/2019/ nachlesen, denn KI ist das Thema des Wissenschafts- jahres 2019.

Auf der Seite heißt es : „Systeme und Anwendungen, die auf Künstlicher Intelligenz basieren, sind schon heute vielfach Bestandteil unseres Lebens : Industrie- roboter, die schwere oder eintönige Arbeiten übernehmen oder smarte Computer, die in kurzer Zeit riesige Datenmengen verarbeiten können – und damit für Wissenschaft und Forschung unverzichtbar sind. Ganz abgesehen von virtuellen Assistenzsystemen, die zu unseren alltäglichen Begleitern geworden sind. Digitalisierung und Automatisierung werden in Zukunft weiter fortschreiten. Welche Chancen gehen damit einher ? Und welchen Herausforderungen müssen wir uns stellen ? Welche Auswirkungen hat diese Entwicklung auf unser gesellschaftliches Miteinander ?“

Sicher kann die Digitalisierung auf der einen Seite helfen, unser Leben besser und einfacher zu machen. Aber würde ich die – beispielsweise gerichtliche - Entscheidung einer KI akzeptieren ? Würde ich mich von einem Roboter pflegen lassen ? Möchte ich Geldgeschäfte über eine Software abwickeln lassen ? Wie weit geht mein Vertrauen in die Künstliche Intelligenz ?

„Lieber Künstliche Intelligenz (KI) als menschliche Dummheit“, so soll ein führender Physiker die aktuelle Diskussion zusammengefasst haben.
Haben wir überhaupt noch eine Wahl ?

Unser Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier berichtete bei seinem Vortrag auf dem Evangelischen Kirchentag von seinem Besuch in China, bei dem unter anderem auch die Diskussion über die Folgen der digitalen Entwicklung für die Menschen und die Gesellschaft im Mittelpunkt standen. Der Geschäftsführer eines führenden chinesischen Forschungsunternehmens kommentierte, wenn alle unsere Maschinen und Algorithmen funktionieren werden, brauchen wir den Menschen nicht mehr.
Eine genauso erschreckende wie auch nicht wünschenswerte Vorstellung.
Kein Wunder, dass Steinmeier eine Ethik der Digitalisierung einfordert, denn „die digitale Welt ist bislang in erster Linie um uns herum und ohne unser Zutun gestaltet worden. Wir brauchen den Mut, das Spiel zu unterbrechen und die Spielregeln zu überprüfen“.

Zum Glück gibt es immer noch Musiker und Produzenten, die digitale Tools „nur“ als Hilfsmittel sehen und nicht als Ersatz für das eigene kreative Schaffen. Sie schreiben Musik, die bewegt und berührt, die die eigene Persönlichkeit erkennen lässt und Emotionen beim Hörer auslöst. Das wird hoffentlich auch immer so bleiben – trotz aller Digitalisierung um uns herum.


Viel Spaß beim Lesen
Ihre
Elke Wisse