08.02.2019 | Ausgabe 1/2019

Handmade in Berlin-weltweit gehört: Lautsprecher von Adam Audio

Regionalgruppe Berlin

Produktionshalle: links im Dunkeln der Lagerbereich, vorne die Montageplätze, im Hinter grund die Reparaturwerkstatt, rechts die Messräume / Quelle: Albrecht Krieger, Borris Manych

EINLEITUNG
Der Kauf meiner ersten Lautsprecher war eine lange Suche, ohne dass ich gewusst hätte, welchen Lautsprecher ich da wirklich kaufe. Zu meinen Studienzeiten galten Lautsprecher von B&W als das Maß aller Dinge und Yamahas legendäre NS10M kamen in den Studios der UdK regelmäßig zum Einsatz. Heute begegnen mir im Berufsleben in den Studios mehr Genelec, Geithain und Adam Audio – nur um mal einige der Hochwertigen zu nennen und die Günstigen zu verschweigen. Erkundigt man sich bei Kollegen, empfehlen die oft aus speziellen Gründen einen Lautsprecher wie „der klingt zwar nicht linear, hat aber einen Lautstärkeregler vorne dran und ich kenne ihn halt“ oder „der hat zwar keine Tiefen aber die Mitten und Höhen sind schön – und er ist leicht“.

Wendet man sich an Verkäufer, ist deren Beratung eh schwer zu trauen, da oft Gewinn oder geschäftliche Vorgaben im Vordergrund stehen und meistens die Händler nicht alle Marken vergleichbar anbieten können. Auch nach langer Lektüre von Fachmagazinen und einer gründlichen Studie des www blieb und bleibt die Frage, was ist der richtige Lautsprecher für mich?

Der Einladung zur Besichtigung der Produktionsstätte eines der hochwertigsten Lautsprecher-Hersteller wäre für mich als junger Tonmeister schon frühzeitig wichtig gewesen. Die Entscheidung, welcher Lautsprecher einen Tonmeister begleitet, ist oft etwas wie eine „Hochzeit“ – eine langjährige Ehe mit einer/einem Vertrauten, die/der uns in unserer Arbeit tagtäglich begleitet und uns die Wahrheit über unsere Kunst um die Ohren haut.

Meine Zusage zum Besuch der Regionalgruppe Berlin bei der Firma Adam Audio GmbH im September 2018 war somit ein „No-Brainer“ um einen Einblick in die Arbeitsprozesse und die wichtigen Kriterien aus Sicht des Herstellers zu Lautsprechern zu bekommen.

Produktionsraum für Hochtöner / Quelle: Albrecht Krieger, Borris Manych

BEGRÜSSUNGSPRÄSENTATION
Begrüßt wurden wir im „Testraum“ mit einer Ansprache des Managing Director Christian Hellinger, in der er die jüngere Historie des Unternehmens präsentierte. Gegründet wurde Adam Audio 1999 als Berliner Unternehmen mit der Spezialität der eigens entwickelten Hochtöners im Stadtteil Neukölln. Seit dem Umzug befinden sich nun die neuen Geschäftsräume im neuen Firmensitz in Berlin Adlershof. Umgeben von Autohäusern und pleite gegangenen berühmten Solar-Startups, residiert das Headquarter nun auf zwei Etagen eines weißen Büro-Neubaus an einer neu angelegten Straße in einem Industriegebiet in der Nähe des immer noch entstehenden Flughafens Berlin Schönefeld. Der Umzug in diese Räumlichkeiten und die angeschlossene Produktionshalle wurde im vergangenen Jahr realisiert – der Zeit, in der der Berliner Flughafen schon lange hätte fertig sein sollen. Im Rahmen seiner kurzweiligen Begrüßungsrede ging Christian Hellinger auch auf die überstandene Insolvenz ein, die neuen Strukturen und das neu aufgebaute Vertrauen zu alten Geschäftspartnern. Der Umzug und die Auslagerung der Logistik bildet eine neue Flexibilisierung der Unternehmensstrukturen und ist damit der offensichtliche Abschluss der Insolvenz des Unternehmens.

Nach dem kurzen Überblick wurden uns durch Stefan Mauer, Product Manager von Adam Audio, hergestellten Produkte vorgestellt. Neben der mir bekannten Monitore der AX Serie – mein Cousin hat sich mal A7X gekauft – und den S3H, die man des Öfteren als Monitore auf Mischpulten sieht, ist mir persönlich die T-Serie noch völlig unbekannt gewesen. Die 2018 neu veröffentlichte Einsteiger-Serie zu einem Preis von unter 170,-€ pro Box ist das preisliche Gegenteil zur hochwertigen S-Serie, unter der sich auch die Wand-Einbau-Lautsprecher S6X und S7A MK2 befinden. Somit bietet Adam Audio nun als einziger unter den Wettbewerbern vom preisgünstigen Einstiegs-Lautsprecher bis zum hochwertigsten Studiomonitor das gesamte Sortiment für das wichtigste Werkzeug der Tonmeister an, fügte Christian Hellinger stolz hinzu.

Fertig montierte Hochtöner an der Messstation / Quelle: Albrecht Krieger, Borris Manych

WERKSHALLENFÜHRUNG
Des Weiteren wurde uns in der Präsentation der Aufbau der Lautsprecher – besonders des X-Art-Hochtöners, dem Markenzeichen der Adam Audio Lautsprecher – ausgiebig in der Theorie erklärt. Dieses bildete die perfekte Überleitung in die Werkshallenführung. In einer Art Büroraum am Rand der Produktionshalle wurde uns die Konstruktion eines Hochtöners gezeigt. Ein einfach wirkender Prozess, der dennoch viel Fingerfertigkeit braucht, beschrieb uns Stefan Mauer.In einem Abteil der großen Halle wurde uns der Messprozess der Hochtöner erläutert. Faszinierend dabei war der Anblick von hunderten frisch produzierten Hochtönern, die dort zur Messung und zur Montage lagerten.Von dieser Abteilung wurden wir zum Montagetisch geführt, auf dem S3H in den vier Stadien der Produktion präsentiert wurden. Hier werden Gehäuse und Tieftöner, die von anderen Unternehmen nach speziellen Entwicklungen von Adam Audio weltweit gefertigt werden, mit dem in Berlin gefertigten Hochtöner, Kabelage und Akustikfüllung endmontiert.

Im Rahmen der Fertigung kommen die Lautsprecher danach zu einer Messstation, in der der Lautsprecher gemessen und „gestresst“ wird, einem Prozess der die perfekte Montage des Lautsprechers zeigen soll. Faszinierend auch hier eine Wand voller Lautsprecher – die goldenen Master – damit sichergestellt werden kann, dass jeder Lautsprecher exakt gleich klingt. Um die besorgten Gesichter der Tonmeister – wer möchte schon einen gestressten Lautsprecher besitzen – zu entschärfen erläutert uns der Mitarbeiter aus dem Reparaturservice, dass die Lautsprecher auch nach Jahren der Nutzung den gleichen Frequenzgang aufweisen wie bei der Auslieferung. Ziel sei es, das vorhandene Lautsprecher-Setup in einem Studio jederzeit durch neue erweitern zu können, ohne zwischen den „alten“ und den „neuen“ unterscheiden zu müssen, bzw. zu können.

Bis dahin wurde uns der Prozess an jeder dieser Stationen von einem der Angestellten vorgeführt und erklärt. Im Rahmen der Werksführung waren somit gut ein Viertel der ca. 50 Angestellten, die uns im Rahmen des Abends vorgestellt wurden – ein sehr beeindruckender Aufwand, der den familiären Charakter des Unternehmens zeigt.

Ist der Lautsprecher fertig montiert und getestet wird er einem letzten optischen Check unterzogen und verpackt, erläutert uns Alexandra Brau, Produktionsleitung des Unternehmens: „Egal, wie viel der Lautsprecher wiegt – er darf beim Verpacken nicht den winzigsten Kratzer aufweisen – sonst verlässt er nicht unser Haus.“

ABSCHLUSSVERANSTALTUNG
Zum Ende der Führung waren vor allem die jüngeren Teilnehmer sehr interessiert an dem neu eingerichteten Hörraum im Bereich der offen gestalteten Büros in der 4. Etage. Überrascht wurden wir von einem kleinen, leckeren Buffet und gekühlten Getränken, direkt neben der Dachterrasse mit einem weiten und wunderschönen Blick über Berlin, in Richtung des Fernsehturms. In kleineren Gesprächen wurde die weltweite Vernetzung von Adam Audio und das Bedauern über die derzeitige isolationistische Politik der USA erläutert, welche sogar die Geschäftsvorgänge von Adam Audio direkt beeinflussen. Ein kleines, deutsches Unternehmen wie Adam Audio ist dabei direkt von offenen Märkten und Geschäften abhängig und könnte nicht mal alle Komponenten für die eigenen Lautsprecher innerhalb Europas herstellen lassen, weil es in Europa Hersteller für manche Komponenten gar nicht (mehr) gibt.

Während die Kollegen – die mit ihrem Lautsprecher schon länger „liiert“ sind – sich im Gespräch mit den Mitarbeitern und der Unternehmensführung die leckeren Speisen und dem Ausblick genossen, konnten die Interessierten im Hörraum die Modelle S3H (horizontaler 3-Wege Lautsprecher mit doppel Tieftöner), S3V (vertikaler 3-Wege-Lautsprecher) und das neue, günstige Modell T5V ausgiebig hören und testen – ein runder Abschluss der Veranstaltung mit vielen, spannenden 19-Zoll-Gesprächen!

Montagestadien der S3H / Quelle: Albrecht Krieger, Borris Manych

FAZIT
Auf der Suche nach dem „richtigen Lautsprecher für mich“ haben sich bei diesem Ausflug der Regionalgruppe Berlin doch einige wichtige Erkenntnisse ergeben.Das wunderbare Angebot von Stephan Mauer, dass man sich Lautsprecher von Adam Audio ausleihen kann, gibt einem die Möglichkeit, Lautsprecher länger zu testen und zu vergleichen – und dieses Angebot gilt deutschlandweit! Meines Erachtens die beste Möglichkeit, um sich ein wirkliches Klangbild zu einem Lautsprecher machen zu können – denn prüfe, wer sich ewig bindet.Des Weiteren war die anklingende Meinung im Raum, dass gerade im Bereich unter 170 Euro kaum ein vergleichbarer Lautsprecher zum T5V auf dem Markt zu finden ist. Natürlich sind zum sehr linear und räumlich präzise abbildenden S3V klangliche Unterschiede zu hören, allerdings sind diese marginal im Verhältnis zum Preisunterschied.Diese Lautsprecher werden im Markt guten Anklang für Einsteiger, hochwertige Installationen mit vielen Lautsprechern oder portable Anwendungen finden. Hingegen wurde von einem der jüngeren Tonmeister-Kollegen der Kaufwunsch von S3V geäußert.Die dritte Erkenntnis, die sich aus diesem Abend ziehen lässt, ist, dass die hochwertigen Lautsprecher von Adam Audio (zu den günstigen liegen noch keine Erkenntnisse vor) auch nach vielen, vielen Jahren noch ihre Klangqualität behalten und damit auch wertstabil bleiben – falls man sich mal auch ein größeres Modell upgraden will.

Für ein Upgrade lohnt sich der persönliche Kontakt zu diesem freundlichen, modernen, hochwertigen und dennoch familiären Unternehmen immer! Danke für diesen herzlichen, offenen und bereichernden Abend!