07.11.2018 | Ausgabe 5/2018

Eine lebendige Kooperation

Regionalgruppe und Abbey Road Institute

Gruppenfoto der Teilnehmer des Seminars „Hands On – Kompressoren“ neben einer SSL 4064G aus dem Jahr 1989 / Quelle: Abbey Road Institute

Niels Reckziegel, Leiter der Regionalgruppe Frankfurt, hatte schon lange den Wunsch gehegt, zusätzlich zu den regelmäßigen Stammtischen in „Hands On-Workshops“ den aktiven Wissensaustausch unter den Mitgliedern des VDT zu fördern. Mit dem Abbey Road Institute Frankfurt hat er dafür die passende Location und einen kompetenten Partner gefunden Das Abbey Road Institute, die Ausbildungseinrichtung der bekannten Abbey Road Studios London, ist seit Mai 2017 offizielles Fördermitglied des VDT, Institutsleiter Ulli Schiller seit über 25 Jahren Mitglied im Verband. Lesen Sie hier über engagierte Ton-Enthusiasten, eine aktive Fördermitgliedschaft und eine rege Kooperation.

REGIONALGRUPPENTREFFEN FRANKFURT
Neugierig, was an dem mit großen Musikproduktionen der Beatles, des London Symphonie Orchestras, Robbie Williams und zahlreichen ausgezeichneten Filmmusiken verbundenen Namen Abbey Road Institute wohl dran sein mag, waren rund 20 Mitglieder der Einladung von Niels Reckziegel in die Hanauer Landstraße 172 nach Frankfurt gefolgt.

Der offiziellen Begrüßung folgte ein Vortrag Ulli Schillers, indem er das Curriculum und das Lehrkonzept der stark praxisorientierten Ausbildung erläuterte. Ziel sei es, zukünftige Musikproduzenten und Sound Engineers auf die professionelle Musikbranche vorzubereiten. Sie sollen lernen, ihren eigenen musikalischer Content professionell zu produzieren. Unterrichtet werde nach einem Lehrplan, den Engineers aus dem Abbey Road Studio London gemeinsam mit Fachleuten aus dem Bildungsbereich entwickelt haben. Dieser greife auf die Historie sowie die wegweisenden technischen Innovationen des Studios zurück. „Dabei steht stets die Musik im Vordergrund“, so Ulli Schiller. „Die Technik ist das Handwerkszeug, welches sicher beherrscht werden muss, um sich ganz auf den kreativen Prozess konzentrieren zu können. Wer bei uns anfangen möchte, muss eine Aufnahmeprüfung absolvieren, in der wir neben Motivation und technischem Vorwissen auch prüfen, ob der Bewerber in der Lage ist, ein Instrument so zu spielen, dass er dem musikalischen Schwerpunkt der Ausbildung entsprechen kann“.

Die Dozenten seien ausschließlich Profis aus der Musik- und Audiobranche. „Wir arbeiten nach dem Prinzip des Progressive Continuous Learning (PCL). Das bedeutet, Module werden in kleinere Themengebiete aufgeteilt und diese schrittweise sowie in logischer Reihenfolge vermittelt. Theorie und deren praktische Anwendung sind vertikal und horizontal direkt miteinander verzahnt.“

Nach dem Vortrag ging es ins Herzstück des Instituts. Besonderes Augenmerk der Teilnehmer galt der Studioausstattung und der Frage, ob man es hier tatsächlich mit einer hochwertigen Ausbildungsstätte zu tun habe. Vier professionelle Regieräume, einen großen sowie drei kleinere Aufnahmeräume galt es zu besichtigen. Neben einer SSL 4064G aus dem Jahr 1989, einer 32er API 1608 und dem Avid Controller S6, verfügt das Institut über so manch historisches Schätzchen wie z.B. eine Studer A80 MK II VU sowie zahlreiche hochwertige Mikrofone, Instrumente und die DAW Softwares Logic Pro X, Pro Tools und Ableton Live.

In Regie 1 präsentierte Max Zinke, Absolvent des Abbey Road Institutes, seine Erfahrungen aus der Durchführung eines Klassik-Recordings (Sinfonie Nr. 8 G-Dur op. 88 von Antonín Dvořák) und Finlandia op. 26 von Jean Sibelius) in den Londoner Studios unter Leitung des 20-fachen Grammy Gewinners John Dunkerley, bei der die Studenten des Instituts mitgewirkt haben. Großes Lob an den jungen Mann für die Präsentation seines dabei erworbenen Wissens.

Danach wurde lange in geselliger Runde gesprochen, gefachsimpelt und Networking betrieben. Fazit: ein gelungener Abend in einem Ausbildungsinstitut, das mit großer Leidenschaft und hoher Fachkompetenz betrieben wird, sowie der Wunsch, dieser Veranstaltung weitere folgen zu lassen.

Diskussionen beim Workshop „HandsOn - Achtung Klassik!“, im Vordergrund Niels Reckziegel / Quelle: Abbey Road Institute

VDT-HANDSON „ACHTUNG KLASSIK!“Das Thema des ersten Hands On-Workshops lautete „Achtung Klassik“. Unter aufnahmeästhetischen Gesichtspunkten wurden zur Verfügung gestellte Aufnahmen der Teilnehmer besprochen, wobei die Epoche, Ensembles, Aufnahmeraum sowie die Mikrofonierung mit einbezogen wurden.Niels Reckziegel hatte dazu den Live-Mitschnitt eines Requiems von Wolfgang Amadeus Mozart in Mehrkanaltechnik mit Chor, Solisten und Orchester aus der evangelischen Kirche in Groß-Umstadt mitgebracht, die gleichzeitig in XY (SM69), AB (Schoeps Mk2S) und als Decca Tree mit drei Neumann M50 Kugelmikrofonen aus den 50er Jahren sowie Stützmikrofonen (M49, Mk4, KM 184) gemacht wurde. Besprochen wurden insbesondere die Räumlichkeit der Aufnahme und die Abbildung der Klangkörper.Rege diskutiert wurde auch bei Peter Rafailovs Präsentation einer Opernübertragung. Der seit Jahrzehnten für das ZDF, 3Sat und Arte tägige Tonmeister verdeutlichte an seinem Beispiel die Mikrofonierung einer solchen Produktion. Dabei standen vor allem die zu beachtenden Aspekte der Tonaufzeichnung mit ausschließlich Rampenmikrofonen im Vordergrund und der Unterschied zu einer Mikrofonierung mit Rampen- und drahtlosen Mikrofonen gleichzeitig. „Der Zuschauer im Saal bemerkt den Unterschied in der Räumlichkeit bei der Bewegung der Sänger auf der Bühne kaum, aber der Zuschauer am Fernsehgerät kann sehr wohl Unterschiede in der Tonqualität hören, die bei der alleinigen Verwendung von Rampenmikrofone entstehen. Mal stehen die Solisten näher, mal weiter von den Mikrofonen entfernt, mal sogar mit dem Rücken zur Rampe. Dadurch ist schwierig, eine gleichmäßig präsente Tonaufzeichnung zu bekommen. Ein akustisch ungünstiges Bühnenbild bereitet zusätzliche Schwierigkeiten.“ Aus diesem Grund sei es, so Rafailov weiter, sehr sinnvoll zusätzlich drahtlose Mikrofone für die Solisten zu verwenden. In den letzten Jahren seien diese daher fast Standard geworden.

Es folgten weitere Beispiele aus der Teilnehmerrunde wie Ronald Jenkners Orchester-Aufnahmen aus der Dreikönigskirche in Frankfurt. Der Ochsenfurter Audio Engineer über die Veranstaltung: „Mir hat es sehr viel gebracht, da solche Workshops nicht oft stattfinden. Hier gab es die seltene Möglichkeit, eigene Aufnahmen zur Diskussion zu stellen und diese mit Leuten zu diskutieren, die etwas davon verstehen.“

Auge in Auge mit dem original Teletronix LA-2A / Quelle: Werner Gerosa

VDT SEMINAR „HANDS ON KOMPRESSOREN“Wann besteht schon die Möglichkeit, 40 Kompressoren an einem Ort zur Verfügung zu haben. Das Seminar „Hands On – Kompressoren“ bot diese. Für die umfangreichen Vorbereitungen, Organisation und Durchführung verantwortlich waren Ulli Schiller (Abbey Road Institute), Bernd Pfeffer (Mitglied des VDT) sowie Ideengeber Niels Reckziegel.Der erste Tag war vornehmlich der Theorie gewidmet. Der Vortrag von Dipl.-Ing. Peter Bremm (langjähriger technischer Leiter bei TEAC-Tascam und heute Dozent am Abbey Road Institute) beleuchtete die Historie der Kompressoren, angefangen von den ersten Geräten der Filmindustrie in Amerika über die Geräteentwicklung in England und der deutschen Rundfunkanstalten (ursprünglich als Sendeschutzbegrenzer gedacht) bis hin zu Geräten, die in der Schallplattenindustrie Verwendung fanden. Allgemeine Grundlagen der Regelungstechnik erläuterte im Anschluss Ulli Schiller. Jens Kleinhuis (BA „Recording Arts, Honours“ der Middlesex University London und Headcoach am Abbey Road Institute Frankfurt) ging in einem weiteren Vortrag näher auf Wirkungsweise und Bedienung von Kompressoren ein, was als gute Vorbereitung zur praktischen Anwendung diente.Am Nachmittag erklärte Bernd Pfeffer anhand des Fairchild 670 die Schaltungsdetails und deren Wirkungsweise. In diesem Zusammenhang kam der Wunsch auf, in einem eintägigen Folgeseminar, detaillierter auf das Thema Audio-Schaltungstechnik einzugehen.

Der zweite Tag stand ganz im Zeichen von „Hands On“. Das Abbey Road Institute stellte dafür seine vier Regieräume zur Verfügung, in denen insgesamt 40 Kompressoren auf die Teilnehmer warteten. Diese teilten sich in kleine Gruppen auf, so dass im Wechsel jede Gruppe an allen Geräten arbeiten konnte. Hier gilt besonderer Dank den Studenten des Abbey Road Instituts, die die Veranstaltung betreuend unterstützen und denjenigen, welche die Geräte zur Verfügung gestellt hatten. Dies waren: Gyso Hilger (Tonstudio Nektarium, Darmstadt), Jürgen Kirschner (Cotton Musical Supply, Stuttgart), Bernd Pfeffer, Andreas „Igl“ Schönwitz (Tonstudio Rauschenberg), Ulli Schiller und Niels Reckziegel (SNR Musikproduktion).

Nach ausreichender Testphase und regem Erfahrungsaustausch zeigte sich deutlich, dass es das Universalgerät schlechthin nicht gibt. Jedes hat seine Bestimmungen und ist für spezielle Belange mehr oder weniger gut geeignet. Es macht also Sinn, solche Vergleichsmöglichkeiten, wie an diesem Tag, zu nutzen.

Peter Rafailov, in der Branche bestens bekannt durch seine Jahrzehnte lange Arbeit für das ZDF, 3Sat und Arte sowie durch die Übertragungen der Bayreuther Opernfestspiele, lobte im Anschluss an den Workshop das Team des Abbey Road Institutes. „Ich bedankte mich für die ausgesprochen nette Atmosphäre in Eurer Einrichtung und für das sehr gut vorbereitete und durchgeführte Programm. Obwohl das Thema nicht neu und der Stoff nicht unbekannt für mich sind, war es sehr ergebnisreich, die Versuche in allen Studios zu erleben, Vergleiche zu ziehen und mit den Kollegen zu diskutieren. Auch die jungen, noch studierende Kollegen waren sehr interessante Gesprächspartner.“

Der Tag endete mit einer Diskussionsrunde, in welcher der Wunsch geäußert wurde, weitere Seminare dieser Art folgen zu lassen. Und genau das wird geschehen: Am 10. und 11. November findet am Abbey Road Institute in Frankfurt die „Hands On Session - EQs“ statt. Die Mitglieder werden wie immer per Rundmail über die genauen Details informiert.

Mittlerweile haben auch die Referatsleiter des VDT in den Räumen des Abbey Road Institutes getagt. Niels Reckziegel fasst zusammen: „Das nennt man eine wirklich lebendige Kooperation!“


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