07.11.2018 | Ausgabe 5/2018

Auswahl eines Mischpultes für die Staatsoper Hannover

Theatertonmeistertreffen 2018

Bernhard Helmdorf, Leiter der Tonabteilung / Quelle: Jürgen Hanelt

Das Opernhaus Hannover beheimatet die Sparten Oper, Ballett und Konzert des Niedersächsischen Staatstheaters, dass unser Referat Theater im Mai 2018 an dieses Opernhaus eingeladen war, um an der technischen Entwicklung im Medienbereich mitzudenken, liegt am Leiter der Tonabteilung Bernhard Helmdorf, der wichtige Entscheidungen nicht leicht nimmt. Unter Kollegen bilden sich Kriterien und Ergebnisse selbstverständlicher ab und gute Zusammenarbeit schafft interessante Aspekte der Beurteilung. So erklärt sich auch, dass wir vom Intendanten Michael Klügl im Seiten-Vestibül des Opernhauses begrüßt werden; Ausdruck des Ensemblegeistes eines Theaters. Und während wir die kollegiale Atmosphäre des Hauses genießen, spricht er sich für einen fairen Wettbewerb unter den Bewerbern aus und bietet sich als Glücksfee bei der Auslosung der Reihenfolge der angetretenen Firmen Studer, StageTec und Lawo an. Zuerst führen uns die Kollegen der Tonabteilung noch zu einem kleinen Rundgang durch das Haus und anschließend begrüßt uns Jürgen Hanelt für den VDT zu dieser kooperativen Zusammenkunft in Hannover. Er trägt auch gleich ganz grundsätzliche Gedanken zum Umgang der Theatertonmeister mit ihrer zentralen Bedienstelle, dem Mischpult bei, indem er vier Thesen postuliert, die er in seinem Vortrag einleuchtend und tiefer gehend ausführt.

Theatersaal und Bühne / Quelle: Klaus Fritz

THESE 1
Unsere mentalen Fähigkeiten sind begrenzt. Wir müssen also sparsam/effektiv mit diesen Ressourcen umgehen, wenn wir künstlerisch/gestaltende Aufgaben erledigen wollen.

THESE 2
Die Arbeit zwischen den im künstlerischen Prozess einer Theaterproduktion Beteiligten beansprucht große Anteile dieser Fähigkeiten. In welchen Spannungsfeldern bewegen wir uns dabei?

Seine ersten beiden Thesen gelten der Darstellung unserer Aufgaben und der Einteilung unserer Kräfte bei deren Bewältigung. Kunst ist viel Arbeit und veranschaulicht man die einzelnen Aufgabengebiete mit den Stücken einer Torte, bleiben nach der Bedienung unserer Maschinen und der Kooperation mit den am Produktionsprozess beteiligten Künstlern und Gewerken ein Rest an Aufmerksamkeit für das eigene künstlerische Tun.

Es gilt also, die Routinen des Bedienens und Kommunizierens zu reduzieren, damit von unserer Torte genügend für den kreativen Beitrag am Gesamtkunstwerk Theater übrigbleibt.

THESE 3
Innerhalb dieses Prozesses sind wir Theatertonmeister nochmals besonders gefordert. Welche Anforderungen sind das? Der Darstellung der Komplexität von Audiosignalen in Dynamik und Spektrum stellt Hanelt die Sensibilität des Ohres gegenüber und vergleicht dann das vom Duschen bekannte Mischen zweier Wasserzuläufe auf 37°C Auslauftemperatur, was bereits einige Aufmerksamkeit erfordert, mit unseren Aufgaben beim Mischen von beispielsweise 16 Audiosignalen. Er führt so zu der

THESE 4
Geeignete Werkzeuge sind für unsere Arbeit unabdingbar.
Hier beschreibt er seine grundsätzlichen Forderungen an ein Mischpult und leitet damit zum Thema des Tages: „Wir wollen uns heute in einem Praxisbezug dieser Frage nähern und haben deshalb drei Hersteller eingeladen, die für uns die Abläufe bei der Bedienung transparent machen. Es geht dabei nicht um die Frage „Was kann das Mischpult im Ganzen?“, sondern eher um die Frage „Wie schnell und reibungslos komme ich an ein Ziel?“

Zur Eingrenzung hat Bernhard Helmdorf die beiden zu lösenden Aufgaben vorab den Herstellern grob- mengenmäßig beschrieben, damit eine ausreichende Material-Kapazität (Anzahl Ein-/Ausgänge usw.) vorhanden ist. Bernhard skizziert uns die technische Situation des Hauses: Ein gut erhaltenes, weit verzweigtes NF-Netz, das in alle Gebäudeteile reicht, aber auch noch eine 100V-Lautsprecheranlage, die schon beim Donner für die Zauberflöte Probleme macht. Haupt- Arbeitsplatz ist der Live-Mischplatz Mitte /hinten des zweiten Ranges, wo während der Vorstellungen der Klavierauszug im Mittelpunkt der Aufmerksamkeit steht.

Während Proben oder besonderer Veranstaltungen wie z.B. dem immer wiederkehrenden Opernball, sind in vielen Räumen kleine Anlagen aufgebaut, die miteinander vernetzt werden. Als technische Aufgabe hat Bernhard dieses Szenario ausgewählt. Die Übertragung des Orchesters in diese Räume gibt folgendes Blockbild, das jetzt an die Anbieter geht:

Als erster stellt Lucas Zwicker das Lawo mc² 56 vor. Die Firma versteht sich generell als Schmiede für DSP-Lösungen, die für den Aufbau des Pultes mit Waves Audio kooperiert. Das mitgebrachte Pult beinhaltet vier Blocks in der Oberfläche und verbindet über eine Kreuzschiene von 8000x8000 Koppelpunkten. Eine Fernbedienung kann über iOS drahtlos abgesetzt werden. Die Oberfläche zentralisiert dort auf einem Bedienfeld viele Parameter. Die Waves-PlugIns werden über die Kanalselektion direkt angezeigt.

Es folgt Michael Schüler an der Studer Vista X von AudioPro Heilbronn, die sich als professioneller Vertriebs-und Servicepartner für Audio- und Medientechnik versteht. Das Pult wurde speziell auf die Anwendungen an Theatern entwickelt und verfügt deshalb über Features wie Touchscreens mit integrierten Schaltern und Drehgebern oder den integrierten Automatikmischer für max. 20 Mikrofone.

Die Konsole kann bis max. 72 Fader in 10er-Schritten beherbergen und wird über das Q-Net-System von Harman betrieben. Es gibt ein offline- Konfigurationsprogramm und eine spezielle 10er Faderbox als Fernbedienung über WLAN oder LAN.

Nach einer Schaltpause für alle Beteiligten folgt als Dritter Christian Fuchs mit der Crescendo- Konsole von StageTec. Auch dieses Pult ist jetzt an den speziellen Bedürfnissen der Theaterwelt ausgerichtet, läuft über das digitale Routingsystem Nexus auf die zugehörigen DSP und I/O-Boxes und kann mit einer Tochterkonsole parallel betrieben werden. Es gibt ein Konfigurationsprogramm und auch für die Crescendo ist ein Web- Frontend mit User-Rechten möglich. Inzwischen ist das Pult auch preislich dem Markt entsprechend günstig zu bekommen.

Vor dem Eingang stehen die I/O-Racks der drei Hersteller: rechts Studer, Mitte StageTec, links Lawo / Quelle: Jürgen Hanelt

INGPONG-DISKUSSIONP
Das Hands-On und die sehr lebendige allgemeine Diskussion dreht sich um Taster für Cues, Fernbedienungen aus dem Saal, Einbindung von GPIOs, externe Steuerungen, DSP-Farmen und beispielsweise den programmierbaren Crossfade über 3 Sekunden, den alle Konsolen beherrschen. Die Architektur dürfte immer auch ein wenig Geschmackssache bleiben. Wer nicht dabei war und ein Mischpult anschaffen möchte, darf sicherlich Bernhard Helmdorf nach seinen Eindrücken und letztlichen Entscheidungskriterien fragen.

Schließlich bedanken wir uns im Namen des VDT für die Einladungen zum gesamten leiblichen Tagesbedarf bei den Firmen Audio Pro, StageTec und Lawo.


Shure Axient Digital – die Zukunft der digitalen Drahtlostechnologie

Hardware und Skalierbarkeit

Eine Bandbreite von bis zu 184 MHz ermöglicht eine enorme Abdeckung des Spektrums. Die 2- und 4-Kanal-Empfänger, die zusammen eine Empfänger-Plattform bilden, unterstützen die AD und ADX Sender inklusive dem ADX1M Micro-Taschensender und sorgen damit für maximale Skalierbarkeit. 

Hohe HF-Performance

Axient Digital ist komplett auf größte Signalstabilität ausgelegt und wird damit allen Anforderungen großer Produktionen gerecht. True Digital Diversity mit Quadversity Empfängertechnologie minimiert die Gefahr von Signalabfällen oder Interferenzen, die zu Dropouts führen können.

Steuerungs- und Kontrollfunktionen

Axient Digital ist mit der Wireless Workbench für effiziente Konfiguration und Kontrolle kompatibel, die ShurePlus Channels App ermöglicht Spektrum-Management und Frequenz-Monitoring. Die Dante Cue und Dante Browse Funktionen erlauben das Abhören jedes Dante-Gerätes im Netzwerk.