26.04.2018 | Ausgabe 2/2018

Editorial

Chefredakteurin Elke Wisse.

Chefredakteurin Elke Wisse.

Liebe Leserinnen und Leser,

haben Sie sich schon mal darüber Gedanken gemacht, wie das Öffnen oder Schließen einer Kühlschranktür oder wie die Waschmaschine beim Waschen oder Schleudern klingt? Kann man in diesem Zusammenhang überhaupt von Klang sprechen? Sind es nicht in den meisten Fällen Störgeräusche, die wir lieber ausblenden würden?

Die Brauerei aus dem Norden, die das Bier in Bügelverschlussflaschen abfüllt, hat sich (auch) einen Namen durch das bekannte „Plopp“ beim Öffnen der Flasche gemacht. Immerhin wird auch auf der Webseite darauf hingewiesen. „Das „Plopp“ macht den Genuss auch für die Ohren erlebbar“, so heißt es auf der Webseite. Weiter heißt es: „Für die jüngste Überarbeitung des Bügelverschlusses wurde praktisch alles eigens entwickelt. Zum Beispiel das Dichtungsmaterial, die präzise geformten Verschlussköpfe und das spezielle Produktionsverfahren. Der Lohn der Mühe: Eine fast 99,6%ige plop‘-Garantie, eine längere Haltbarkeit durch minimierten Gasaustausch und, ganz nebenbei, ein rekordverdächtig lautes, noch frischeres plop‘, das der Umwelt pro Jahr den Müll von 150 Millionen Kronkorken erspart.“ (www.flens.de/produkte)

Industrie Sound Design ist zu einer lukrativen Branche geworden, wollen doch alle großen Firmen die besten am Markt sein. Ganze Abteilungen beschäftigen sich damit, wie der Sound eines Produkts Einfluss auf das Kaufverhalten des Endverbrauchers nehmen kann. Sound Design als Marketing Tool, um noch ein Quäntchen attraktiver zu sein als die Konkurrenz. Sound Designer Jan Dietrich, der in diesem Heft die Strategien bei der Sound-Findung in seinem Artikel beschreibt, sagte in einem Interview: „DER Sound ist am besten, der einem auffällt, sobald er fehlt.“

Das Industrie Sound Design aber nicht nur Marketing, sondern auch lebensrelevante Aspekte im Blick hat, wird vor allem in der Elektro-Automobil Branche offensichtlich. Sicherlich haben Sie schon erlebt, wie ein Elektro-Auto hinter ihnen an- oder vorbeifährt – völlig geräuschlos. Die typischen Geräusche eines Autos fehlen, unsere Warnmechanismen springen nicht an, wenn sich das Auto nähert, die Unfallgefahr steigt.

Daher werden die Fahrzeuge per Sound Design „künstlich“ lauter gemacht – ab 2019 ist der Einbau eines so genannten Acoustic Vehicle Alert Systems (AVAS) für alle neu entwickelten Fahrzeugtypen verpflichtend. (www.emobilserver.de) Es gibt viele Bereiche, in denen Sound Design gefragt ist. Sicher auch für uns Tonschaffende ein spannendendes Randgebiet, das es verdient hat, näher betrachtet zu werden.

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In diesem Sinne höre ich jetzt mal genau hin, wie es kingt, wenn ich ein Flasche Wein entkorke…

Ihre Elke Wisse