12.02.2018 | Ausgabe I/2018

Gestaltung von Aufnahmeräumen für Sprache

Ist überall Akustik drin, wo Akustik draufsteht?

Aufnahemraum der FFS Film & Fernsehsynchron GmbH mit verschiedenen Absorbern inklusive einem Schlitzplattenabsorber und einem reflexionsarmen Sprecherpult. Die größte Herausforderung war es, die Studios von einer 7-gleisigen Bahnstrecke in unmittelbarer Nähe zu isolieren. Bild: FFS Film & Fernsehsynchron GmbH

In meiner langjährigen Laufbahn wurden mir viele Räume gezeigt, die gar nicht oder nur unzureichend für Sprachaufnahmen funktioniert haben. Also Räume, die ich reparieren sollte (was leider oft vorkommt) oder Räume, die mir ganz stolz nach der Fertigstellung vorgeführt wurden, von denen ich aber sofort wusste, dass sie Schwierigkeiten bereiten werden.

Mein erstes Negativ-Beispiel ist ein Raum, der mir vor vielen Jahren als niegelnagelneu präsentiert wurde. Dieser Raum, mit einem Volumen von etwa 85 m³, war mit Teppichboden ausgelegt und vollständig mit dünnen Noppenschaumstoffmatten ausgekleidet. Beim Eintreten merkte man sofort, wie sich die Stimmen veränderten. Alle Klarheit ging verloren, die oberen Mitten und besonders die Höhen waren so bedämpft, das es fast klang, als würden wir mit vorgehaltener Hand sprechen oder lispeln. Beim Händeklatschen hörte man einen seltsamen Hallschweif in den unteren Mitten. Der ganze Raum fühlte sich seltsam und unangenehm an. Und doch wurde stolz über die überschaubaren Kosten für die aufwändige Akustik berichtet. Ist vielleicht nicht überall Akustik drin, wo Akustik drauf steht?

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