19.02.2018 | Ausgabe 1/2018

Neues Vorstandsmitglied Hannah Baumgartner stellt sich vor

Hannah Baumgartner.

Hannah Baumgartner.

Ich wollte früher immer Journalistin werden. Ich hospitierte bei Zeitung und Hörfunk, erstellte Beiträge und moderierte die Morgensendung eines bayerischen Lokalradiosender aus dem Selbstfahrerstudio – so war das bei diesen kleinen Sendern - wer moderieren wollte, musste selbst ans Mischpult.

Und dann kam eine Zeit, in der mich die Technik mehr interessierte als die Storys, ich emigrierte vom Süden in den Norden Deutschlands und machte diese zur Jahrtausendwende so unglaublich angesagte Ausbildung zur Mediengestalterin Bild und Ton. Während der Ausbildung entschied ich mich schon früh für den Schwerpunkt Ton. Bei meinen Recherchen nach einer Praktikumsstelle stolperte ich im Medienhandbuch Niedersachsen über den Eintrag von Wolfgang Schukrafft. Ich hatte den Eindruck, dieser Mann kann auch die Stille hören und bewarb mich.

Die Zeit beim Film war schön, aber ein Ausnahmezustand. Es war mir schnell klar, dass sich das Leben als Filmtonmeisterin am Set nur sehr schwer mit der Rolle und den Aufgaben als Mutter vereinbaren lässt. Also begann ich zu studieren, Hörtechnik und Audiologie, und nutzte meine Ausbildung, um mir mein Studium zu finanzieren. Ich drehte für freie Produktionsfirmen und für den NDR direkt. Ich schrieb meine Diplomarbeit über Störgeräuschunterdrückung und legte meinen Master zum Thema Kopfhöreranpassung  ab. Ich beschäftigte mich viel mit individuellen Hörgewohnheiten und bin mittlerweile am Fraunhofer IDMT in Oldenburg beim Thema „Sprachverständlichkeit“ ansässig. Nebenbei arbeite ich auch journalistisch, was mir große Freude bereitet.

Im VDT möchte ich mich - neben meinem Amt als Kassenwart - um mehr weibliche Mitglieder bemühen und deren (Verbands-) Interessen mit in den Fokus nehmen. Frauenfreundliche Arbeitsbedingungen sind oft auch familien- oder elternfreundliche Arbeitsbedingungen, davon profitieren alle. Aber nicht nur Geschlechtergleichheit ist ein Thema. Gleiches Geld für gleiche Arbeit – dieser Slogan trifft auch Festangestellte und Freie, öffentlich-rechtliche Sender und Private, Inhouse-Produktionen und Fremdproduktionen – nicht ohne Grund hat das Kölner EB-Tontechniker-Netzwerk erst kürzlich in einem offenen Brief eine Mindestvergütung gefordert und bestehende Standards kritisiert. Es gibt viel zu tun!

Viele Grüße,

Ihre Hannah Baumgartner