19.02.2018 | Ausgabe 1/2018

Stimme, Mikrofon und Vorverstärker in der Praxis

Stimmgewaltig!

Bild: Karl M. Slavik

Stimme, Mikrofon und Vorverstärker stellen eine rein analoge Signalkette dar. Der richtige Umgang damit ist eine wesentliche Voraussetzung für hochwertige Sprach- und Gesangsabnahme, auf der Bühne wie auch im Studio. Für exzellente Ergebnisse benötigt man jedoch keine esoterischen Mikrofone oder sündhaft teuren Boutique-Preamps. Es reichen ein Satz guter Ohren und fundierte Fachkenntnisse.

Kein Instrument ist uns Menschen so vertraut wie die menschliche Stimme. Untersuchungen zeigen, dass wir bereits im Mutterleib und etwa zwölf Wochen vor der Geburt sehr genau hören, was gesprochen oder vielleicht sogar gesungen wird. Gegen Ende der Schwangerschaft können wir nicht nur die Stimme der Mutter von anderen unterscheiden und uns nach der Geburt als Säuglinge daran erinnern, sonder sind sogar in der Lage, Textstrukturen zu unterscheiden und nach der Geburt wiederzuerkennen. Kein Wunder also, dass wir Menschen bei Sprache und ihrem engsten Verwandten, dem Gesang, ein großes Maß an Erfahrung und Urteilsvermögen mitbringen. Auch Laien wissen, wie Stimmen „in echt“ klingen und dass ein Nachrichtensprecher via Radio anders klingt (und auch anders klingen muss) als ein Rocksänger im Studio oder ein Tenor im Opernhaus.

Die klanglichen Unterschiede hängen nicht nur von technischen Gegebenheiten wie Stimme, Raum, Mikrofon und Übertragungskette ab, sondern vor allem von den Hörgewohnheiten und Erwartungen der Zuhörer, die bedient werden wollen. Kein Wunder also, dass Beschwerden über fehlende Sprachverständlichkeit (von Hans Moser bis Til Schweiger) und nervige Stimmen zu den häufigsten Tonbeschwerden bei Hörfunk und Fernsehen zählen.

---

4 Seiten