12.02.2018 | Ausgabe I/2018

Die Stimme als Musikinstrument

Von Sägezahn bis Oberton - Physik der Singstimme

Quelle-Filter-Modell der Stimmerzeugung. Bild: M. Kob

Die menschliche Stimme zeichnet sich mit ihren vielfältigen Klangeigenschaften als außergewöhnliches Musikinstrument aus. Neben der individuellen, unverwechselbaren Prägung jeder Stimme hinsichtlich des Timbres und des Stimmumfangs erlaubt die Wahl verschiedener Register und Stile eine fast unendliche Variabilität der Klanggestaltung. In diesem Text werden die Grundlagen der Stimmerzeugung und die Besonderheiten der Abstrahlung sowie einige typische Kennwerte der Singstimme zusammengefasst.

Stimmphysiologie

Die Erzeugung der Singstimme ist ein komplexer Prozess, bei dem mehrere Organe des menschlichen Körpers zusammenwirken [9]. Wie bei Blechblasinstrumenten sorgt die Lunge für die Bereitstellung eines Luftstroms. Schwingende Gewebe - die Stimmlippen des Sängers/der Sängerin bzw. die Lippen des Bläsers- erzeugen eine Modulation dieses Luftstroms und erzeugen einen Primärschall, was als Phonation bezeichnet wird.

Dieser Schall gelangt durch den Nasal- und Vokaltrakt, also die Hohlräume zwischen den Stimmlippen und der Nasen- bzw.Mundöffnung, nach außen. Diese Räume können in weiten Bereichen moduliert werden, was als Artikulation bezeichnet wird. An Verengungen – Lippen und Zähnen – sowie durch Verschluss der Hohlräume können Konsonanten und rauschende Klangkomponenten erzeugt werden. In Abbildung 1 sind die Organe und ihre Funktion dargestellt.

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