01.06.2016 | Ausgabe 3/2016

Neues Aufnahmeverfahren für 3D-Audio und VR: ORTF-3D

ORTF-3D Anordnung im geöffneten Windkorb (Bildquelle: Schoeps)

ORTF-3D Anordnung im geöffneten Windkorb (Bildquelle: Schoeps)

Toningenieure, die in 3D arbeiten, sehen sich bei der Wahl der passenden Aufnahmetechnik einer schwierigen Aufgabenstellung gegenüber. Bei 3D steigt - im Vergleich zu Wiedergabeverfahren, die nur in der Horizontalebene arbeiten – die nötige Anzahl der Kanäle und damit die Komplexität deutlich. Es ist verlockend, aber keine gute Idee, allzu einfache Lösungen anzuwenden, denn der Kunde fordert einen Mehrwert von 3D-Audio gegenüber konventionellem 5.1 Surround. Bei einer guten 3D-Aufnahme, die mithilfe der passenden Aufnahmetechnik gemacht wurde, ist dieser Mehrwert in beeindruckender Weise hörbar.

Eine Aufnahmetechnik für alle 3D-Formate?

Natürlich unterscheiden sich generell die Aufnahmetechniken für die verschiedenen 3D-Audio Wiedergabeverfahren. Bei Schallfeldsyntheseverfahren können vielkanalige Mikrofon-Arrays eine Lösung sein, bei 3D-Stereo sind stereofone Techniken üblich und für binaurale Wiedergabe kann im einfachsten Fall ein Kunstkopf verwendet werden. Jedoch eint alle Verfahren eine Notwendigkeit: Für eine Aufnahme komplexer, ausgedehnter Schallquellen wie z.B. Atmo müssen stereofone Techniken verwendet werden, da nur die Stereofonie so eine hohe Kanaleffizienz bei gleichzeitig hoher klanglicher Qualität bietet. Es ist z.B. schlicht unmöglich, einen großen Chor oder eine komplexe Straßenatmo in hoher Qualität mit Einzelmikrofonie abzubilden. Genauso scheitern die vielkanaligen Arrays für Higher Order Ambisonics (HOA) oder Wellendfeldsynthese in der Praxis, denn ihre Kanaleffizienz und klangliche Qualität ist zu gering. Reduziert man die Anzahl der Kanäle, wie z.B. bei Ambisonics 1. Ordnung, ist man nicht mehr in der Lage, die Höhenkanäle durch unabhängige Signale zu beschicken und das Ergebnis wird kompromissbehaftet.

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