01.04.2016 | Ausgabe 2/2016

Editorial

Traurige und gute Nachrichten …

Carlos Albrecht

Liebe Kolleginnen und Kollegen, liebe Mitglieder,der plötzliche Tod von dem Jazzsänger Roger Cicero hat viele von uns betroffen gemacht, und wir fragen uns, warum das Schicksal einen so begabten und sympathischen Künstler mit gerade mal 45 Jahren mitten aus dem Leben und einer erfolgreichen Karriere reißt. Mir persönlich ging es insofern nah, als ich zwar niemals mit Roger, so aber doch mit seinem Vater Eugen Cicero gearbeitet habe, einem hoch begabtem Pianist, der stilistisch sowohl die Klassik wie auch den Jazz beherrschte, leider aber auch mit erst 57 Jahren an einem Hirnschlag starb. Diese Doppelbegabung fand ihren Höhepunkt in der Jazz/Klassik-Einspielung von Schubert Kompositionen zusammen mit dem Heilbronner Kammerorchester. Die Einspielung wurde seinerzeit mit dem Deutschen Schallplattenpreis geehrt.

Auf der anderen Seite dreht sich die Welt weiter und schenkt uns immer wieder junge, talentierte Musiker, deren Werdegang zu beobachten eine wahre Freude ist. Und genau dies ist mir heute in Form eines Konzerts widerfahren, bevor ich mich an den Schreibtisch setzte und mich diesem Editorial widmete. Es handelte sich um eine Band mit 16 Musikern, darunter drei Sängerinnen und ein Sänger, die eine Spielfreude an den Tag legten, welche sogar einen älteren Herren wie mich mitrocken ließ. Warum erzähle ich Ihnen dies? Eine Aufnahme dieser „Sebastian Müller Band“ wurde vor zwei Jahren von einem Tonmeisterstudenten für den „Goldenen Bobby“ eingereicht und wurde einstimmig von der Jury mit dem „Nachwuchspreis des VDT“ in der Kategorie „Jazz“ ausgezeichnet. Da ich selbst in der Jury saß und absolut begeistert von dieser Einspielung war, kam bei mir der Gedanke auf, diese junge Band für die kommenden Tonmeistertagung einzuladen, da sie auch über eine gehörige Portion Showtalent verfügt. So nahm ich Kontakt zu Sebastian Müller auf, worauf er mir einen Link zu einem Video von seiner letzten Aufnahmesession schickte, welches mich erst recht sprachlos machte. Wie „In the old days“ hat die Band es sich nicht nehmen lassen, mit allen Musikerinnen und Musikern gemeinsam aufzunehmen. Das Ganze passierte in einer Location, die mir bis dato nicht bekannt war: dem „Red Horn Distrikt“ in Horn-Bad Meinberg, ein altes Fachwerkgehöft, ehemals Wassermühle, mit einer ansprechenden Atmosphäre und einer guten Akustik, wo der Wohlfühlfaktor groß geschrieben wird. Genau dort fand auch das heutige Konzert statt.

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