01.02.2016 | Ausgabe 1/2016

Entwicklungen im Setton

Agent Ranjid (Foto: Gordon Timpen / Ratpack)

Agent Ranjid (Foto: Gordon Timpen / Ratpack)

Eine Eigenheit des deutschen Film- und Fernsehmarktes ist die weitgehend risikoarme Vorfinanzierung des Filmwerkes, größtenteils durch Fördergelder, die nur im Erfolgsfall zurückgezahlt werden müssen. Eigenmittel des Produzenten übersteigen nur selten 15% des Budgets, wenn es sich nicht sowieso um Auftragsproduktionen für Sender handelt. Bei Drehbeginn ist der Film somit meist finanziert und ist nicht darauf angewiesen, seine Produktionskosten am Markt zu decken.

Das hat Folgen für die Art und Weise der Filmherstellung: Nicht die Maximierung der Produktqualität steht im Vordergrund, sondern das Bestreben, mit den vorhandenen, meist geringen Mitteln, noch eine brauchbare Qualität zu erreichen. Die Auswirkungen dieses gedeckelten Finanzierungssystems betreffen alle Filmgewerke, insbesondere aber den Tonbereich: Durch die unterbewusste Wirkungsweise von Tongestaltung ist eine Qualitätsdiskussion mit Produzenten naturgegeben schwierig, was oft dazu führt, dass notwendige Ausgaben für die Tonqualität gestrichen werden, um die Qualität im Bildbereich zu erhalten. Während jedem Laien der Mehrwert einer höher auflösende Kamera oder eines aufwändigeren Szenenbildes direkt ersichtlich sind, ist der Mehrwert einer besseren Akustik am Drehort nur schwer zu vermitteln. Die Kompetenzen der verantwortlichen Produzenten und Senderredakteure auf diesem Gebiet sind leider – gelinde gesagt – gering ausgeprägt.Dementsprechend bewegen sich die Qualitätsansprüche der verantwortlichen Filmhersteller auf Minimalniveau: „Hauptsache man kann was verstehen“ und „Wird schon gut gehen“. Bild ist gut – Ton ist da! Verwunderlich, denn immerhin riskiert man hier die Hälfte der teuer bezahlten, einmaligen Schauspielerperformance.

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