01.02.2016 | Ausgabe 1/2016

Die gestalterische Freiheit am Set bleibt auf der Strecke

Ein Gespräch mit Volker Zeigermann

Am Set von „Wellness für Paare“ (Jann-Georg Schütte, Produktion Riva Film 2015) (Bildquelle: Volker Zeigermann)

Am Set von „Wellness für Paare“ (Jann-Georg Schütte, Produktion Riva Film 2015) (Bildquelle: Volker Zeigermann)

Wie schätzen Sie die Situation der Filmtonmeister am Set ein?

Wir als Verleiher sitzen quasi im Zentrum des Netzwerks und sprechen sowohl inhaltlich als auch technisch mit sehr vielen Kollegen. Wir merken, dass das technische Knowhow und Wissen über das Equipment heute überdurchschnittlich hoch ist. Jeder weiß, auch dank der hervorragenden Arbeit der Industrie, welche Geräte es gibt, wie man sie bedient und welche Ergebnisse man damit erzielen kann.

Oft steht aber ausschließlich die Technik im Vordergrund. Das hat mit der heutigen Produktionsweise am Set zu tun. Es wird mittlerweile sehr schnell und unter einem enormen Druck produziert. Das betrifft nicht nur die Tonkollegen, sondern quasi alle Gewerke am Filmset vom Kameramann bis hin zur Ausstattung.

Früher gab es einen Kamera-Testtag vor dem Dreh. Dieser Techniktesttag ist zum reinen Packtag „verkommen“. Technische Tests erfolgen in der heißen Phase am Set. Aber im Prinzip muss alles direkt funktionieren, das Ausprobieren bleibt auf der Strecke. Unter diesen Bedingungen kann man meist nur noch unter technischen Aspekten arbeiten.Welche Probleme ergeben sich daraus?Als Verleiher sehen wir deutliche Defizite, denn diese Arbeitsweise schränkt die gestalterische Freiheit der Tonmeister am Drehort extrem ein. Hier wird man oft in die Rolle gedrängt, lediglich eine technische Umsetzung in das Medium Film zu realisieren. Wie der Filmtonmeister dabei vorgeht, welche klanglichen Atmosphären er schaffen möchte, welche Hauptdarsteller dramaturgisch-klanglich im Vordergrund stehen, wie eine Szene schon bei der Tonaufnahme am Drehort auch auf der tonlichen Seite gestaltet werden könnte, bleibt dabei oft für die anderen Gewerke beim Film und vor allem auch für die Regie unverständlich.

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