01.05.2015 | Ausgabe 4/2015

Die Kunst der kleinen Beschallung

L-C-R Lautsprecheranordnung bei einer Filmpremiere Quelle: © Karl M. Slavik

L-C-R Lautsprecheranordnung bei einer Filmpremiere Quelle: © Karl M. Slavik

1878 entwickelte Werner von Siemens den ersten elektrodynamischen Lautsprecher, 1904 erfand Robert von Lieben die Verstärkerröhre. Seit damals ist es möglich, elektrische Signale zu verstärken und über Lautsprecher hörbar zu machen. Bereits 1915 wurden Beschallungsanlagen eingesetzt, die rund 100.000 Zuhörer mit klar verständlicher Sprachinformation versorgen konnten (u.a. von Edwin Jensen and Peter Pridham, 24. Dezember 1915, San Francisco). Man sollte meinen, dass die letzten 100 Jahre zu einer weitgehenden Perfektion in der Technik und Anwendung von Beschallungssystemen führten und schlechter Klang im Jahr 2015 als belächeltes Relikt einer fernen Zeit gilt. Doch die tägliche Beschallungspraxis klingt leider allzu oft anders: Rückkopplungen, Verzerrungen, mangelnde Sprachverständlichkeit und allgemein grottiger Sound befinden sich nach wie vor im Repertoire der Beschallungstechnik, nicht selten bei kleineren Systemen. Ein möglicher Grund dafür: Während große Beschallungsanlagen im Bereich von Festinstallationen und Touring meist von ausgewiesenen Fachleuten geplant, installiert, eingemessen und betrieben werden, wird die Abwicklung kleinerer Beschallungsaufgaben nicht selten den Händen von Halbprofis anvertraut; nicht selten zu kommerziell schlechten Bedingungen. Dabei wird oft vergessen, dass kleine Beschallungsjobs für den Auftraggeber nicht unwichtiger als große Events sind. Egal ob Kabarett, Podiumsdiskussion oder Club-Gig einer Indie-Band: In allen Fällen soll die Botschaft von der Bühne in möglichst hoher Qualität beim Zuhörer ankommen – nur so kann ein positiver, nachhaltiger und emotional stimmiger Eindruck vermittelt werden.

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4 Seiten